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letzte Geleit. Der Direktor legte im Namen der Schule einen Kranz am Grabe nieder und gedachte der hohen Verdienste des Heimgegangenen: Wenn gleich keiner der anwesenden Schüler ihn mehr gekannt hat und auch die Zahl der Kollegen, die unter seiner Leitung haben arbeiten dürfen, erheblich zusammen geschmolzen ist, so spüren doch auch wir noch den Hauch seines Geistes unter uns: des Geistes strenger Pflichterfüllung und tiefer verzehrender Liebe zum Berufe. Nicht äußerlichem, selbstgefälligem Wissen galt sein Streben, sondern er suchte in den Herzen der Jugend die Flamme der Begeisterung zu entfachen für alles Schöne, was die Werke der Alten und der Besten aus den mittleren und neueren Zeiten uns überliefern, er wollte seine Schüler zu suchenden, forschenden Menschen machen, die sich nicht mit dem Schein begnügen: daher denn auch eine so bedeutende Zahl selbständiger Persönlichkeiten und hervorragender Gelehrten aus seiner Schule hervorgegangen ist. Nicht behaglicher Lebensgenuß war sein Lebensideal, er hat, wie früher im Berufe, so auch im Ruhestande mit eisernem Fleiße gearbeitet, bis seine Kräfte zusammen brachen. So dürfen wir auch ihm die Worte auf seinen Leichenstein setzen:
Dieser ist ein Mensch gewesen,
Und das heißt ein Kämpfer sein.
Am 2. Mai starb der Schüler der Obersekunda Johannes Schweikart, ein braver Knabe, der früher zu schönen Hoffnungen berechtigte, der aber durch ein Siechtum schon seit längerer Zeit in seiner körperlichen und geistigen Entwicklung gehemmt war. Wir betrauern mit den Eltern sein frühes Abscheiden.
2. Eröffnung des pädagogischen Seminars.
Im Laufe des Schuljahrs ist mit unserer Anstalt ein pädagogisches Seminar verbunden worden, dessen Leitung dem Direktor übertragen wurde(S. S. 19). Die Eröffnung fand am 31. Juli, unmittelbar nach den Sommerferien, statt Als Mitglieder wurden dem Seminar überwiesen die Kandidaten des höheren Schulamtes: Dr. Karl Bauermeister, Dr. Heinrich Burhenne, Dr. Hermann Haase, Heinrich Kropp, Albert Reusch und Dr. Alfred Zickgraf. Außer dem Direktor waren als Lehrer des Seminars thätig die Herren Oberlehrer Dr. Banner, Zint und Dr. Merian-Genast.
Die neue Einrichtung bringt den beteiligten Lehrern und nicht am wenigsten dem Direktor erheblich vermehrte Arbeit, auf der anderen Seite aber auch reiche Anregung. Es bewährt sich auch hier das Wort: docendo discimus.
3. Besichtigungen und Prüfungen.
In den Tagen vom 18. bis 21. Juni unterzog Herr Geheime Regierungs- und Provinzial-Schulrat D. Dr. Lahmeyer die oberen Klassen, insbesondere die beiden Oberprimen, einer eingehenden Revision.
Im Auftrage Seiner Exzellenz des Herrn Ministers besuchten Herr Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. von Wilamowitz-Moellendorf, Herr Vice-Präsident des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums Lucanus aus Berlin, Herr Oberregierungsrat Trosien, Direktor des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums in Magde- burg, und Herr Provinzial-Schulrat Dr. Genz aus Berlin die Anstalt.
Eine erhebliche Zahl deutscher und ausländischer Schulmänner wohnten zu verschiedenen Zeiten des Jahres mit Genehmigung des Königlichen Ministeriums dem Unterrichte bei.
Die schriftliche Reifeprüfung des Michaelistermins fand in den Tagen vom 1. bis 6. August, die mündliche am 11. August unter dem Vorsitze des Direktors statt. Das Kuratorium war durch Herrn Stadtrat Grimm vertreten. Die 11 Schüler, die sich zur Prüfung gemeldet hatten, bestanden dieselbe. Es waren die letzten Schüler der Michaelisklassen und zugleich, bis auf einen, die letzten, die nach dem allgemeinen Lehrplane vorgebildet waren. Sie waren im letzten Balbjahre zusammen mit den Schülern der Ii b unterrichtet worden. Wegen der Überfüllung dieser Klasse hatte das Königliche-Provinzial-Schulkollegium die frühe Ansetzung des Prüfungstermines genehmigt.(èiber die Reifeprüfung des Ostertermins s. N. 5).
4. Schulfeste.
Das Maifest wurde am 8. Mai in gewohnter Weise durch Ausflüge der einzelnen Klassen unter Führung ihrer Klassenlehrer gefeiert. Leider war das Wetter nicht besonders günstig. Um so mehr begünstigte es uns während der dreitägigen Turnfahrt, die die Schüler der oberen Klassen in den Tagen vom 30. August bis 1. September unter Leitung des Direktors und mehrerer Herren Kollegen durch den Spessart unternahmen. Die Fußwanderung


