Aufsatz 
Henricus Petreus Herdesianus und die Frankfurter Lehrpläne nebst Schulordnungen von 1579 und 1599. Eine kulturhistorische Studie
Entstehung
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XVIII

sich ausgezeichnet hatte, schickte seinen begabten Sohn auf die Schulen zu Eimbeck, Münden und zuletzt, vermutlich nicht vor dem 11. Jahre, auf die aus einer berühmten Cistercienserabtei hervorgegangene Klosterschule nach Walkenried am Südharz. Von hier bezog er die 1558 ge- gründete Universität Jena, die er im Sommer 1564 mit Leipzig vertauschte, wohin ihn der Ruf des gefeierten Polyhistors Camerarius, ¹*) des vielgenannten Rechtsgelehrten Modestinus Pistoris lockte. Letzteren hatte er nicht nur zumLehrmeister, sondern auchHaußwirth. Später besuchte er noch die Hochschnle zu Basel ¹⁴⁰), wo er sich noch im Jahre 1575 aufhielt. Zwischendurch war er Hofmeister gewesen und zugleich denn das Reisen war als Bildungsmittel populär geworden Reisebegleiter zweier fränkischen Edelleute,der jungen Herrn Fuchs von Bimbach und von Dornheim, die erveluti Achates auf Studienreisen in der Schweiz und in Italien, der Heimat des humanistischen Bildungsideals, unter seiner Obhut hatte. ⁴¹)

Von Basel aus scheinen sich seine Beziehungen zu dem berühmten Frankfurter Syndikus J. Fichard angeknüpft zu haben. Im Jahre 1575 wollte er mit einem Sammelwerk Das Hofleben an die Öffentlichkeit treten. Den ersten Teil dieserVita aulica, die erst 1577 in Frankfurt vollständig veröffentlicht wurde, widmete er schon 1575Basileae Raura- corum seinem Gönner, einem der ersten Juristen des 16. Jahrhunderts, mit dem ihn, den jungen Gelehrten, von da ab ein Band vertrautester Freundschaft verknüpfte.

Keinem geringeren als Fichard verdankt Petreus seine Berufung an die Spitze der Schule, der auch sein Protektor und lebenslang väterlich besorgter Freund, seine gediegene, noch im Greisenalter bekundete klassische Bildung verdankte. ¹²) Principibus placuisse viris non ultima laus est! durfte der neue Rektor von sich sagen, dem mit seiner Übersiedelung nach Frankfurt sich das gastliche Heim eines an außeren Ehren und innerem Werte hochstehenden Mannes öffnete, um den sich die Freunde des Humanismus in Frankfurt, wie um einen Patriarchen scharten, dessen Haus alsoraculum totius civitatis, Musarum commune asylum angesehen wurde. ⁴³)

B. Petreus im Amte in Frankfurt a. M.

Die Wahl des Petreus war bereits getroffen, als noch Empfehlungsschreiben für ihn, u. a. von dem Herzog Erich von Braunschweig und Lüneburg beim Rate eingingen, der am 18. XII. 1576 über diese Schriftstücke zur Tagesordnung überging mit der Erklärung: Läst man solche Commendationes vff sich beruhen. Die Ratsherrn zogen es vor, schleunig für das leibliche Wohlergehen ihres eines eigenen Hausstandes noch entbehrenden, etwa 30 jährigen Rektors väterlich zu sorgen:Soll man die Vorsehung thun, das aufs der Clöster ainem ein Bett mit seiner Zugehörung und anderer Haußrath dem Rector verordnet werde. Auch die volle Besoldung für das Quartal Michaelis bis Weihnachten 1576 wurde ihm gewährt,

3c) Horawitz in A. D. B. III(1876) S. 720 724. Über Camerarius als Pädagoge vgl. Schmid, Encycl.

4) Vgl. sein Buchde monasteriis f. 14a.

*1) Von den Frankfurter Romfahrern des 16. Jahrhunderts hat uns J. Fichard seine italienische Reise beschrieben. Vgl.Italia in Fichards Archiv III, 1130.

⁴²) Uber Fichards erste Ausbildung in demludus publicus am Liebfrauenstift, wo der Prügelstock regierte, und über seine späteren humanistischen Studien auf dem Gymnasium unter dem begeisternden Lehrer Micyllus, vgl. Jung, Fichard 8 20, und Classen, Micyllus, S. 58 60, 6667.

*³) l'ber den regen Geistesverkehr in der Häuslichkeit Fichards vgl. Jung a. a. O. S. 60 61, und die Epistola dedicatoria in dem ersten Teile der Vita aulica des Petreus.