Aufsatz 
Henricus Petreus Herdesianus und die Frankfurter Lehrpläne nebst Schulordnungen von 1579 und 1599. Eine kulturhistorische Studie
Entstehung
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den Diplomaten und Stadtadvokaten Doktor Johann Fichard(1512- 1581),36) der schon mit einer anderen Persönlichkeit brieflich verhandelt hatte und seinem Wunsch auch bald Gehör zu verschaffen wußte.

Bereits am 11. October 1576 teilten die Scholarchen im Rathe mit:Nachdem die Notdurft erfor, das die Schul zum Barfüſsern wiederumb mit einem Rector versehen werde, So hab D: Johann Fichart einen, so fich Hainricus Petreius nennt und ein geschickter, gelerter Mann sein soll, fürgeschlagen. Welcher sich zum Rector wöll gebrauchen lassen. Dessen Testimonium hierzu gegewen und verlesen werden soll, alsdann auch geschehen. Es wurde beschlossen zu hörenwie Er sich wolle bestellen lassen; gegebenen Falls sollte er auf Probedienstzeit,ein Jar oder zwai zum Versuch angenommen werden. Bereits am 16. Oktober wurde im Rate über das Ergebnis der weiteren Verhandlungen berichtet: Petreus will den Dienst übernehmenumb die Besoldung, wie andere vor Im gehabt und, was im Hinblick auf das spätere jähe Ende seiner hiesigen Wirksamkeit zu beachten ist,hab sich der Religion halber erbotten zu verhalten, das derewegen nit Clag kommen soll.

So hatte denn die Frankfurter Lateinschule, deren Leitung selten lange in einer Hand gelegen, wieder ein Oberhaupt gefunden in der Person eines jungen, gelehrten Nieder- sachsen, von dessen Vergangenheit sich Gutes für die Zukunft der Anstalt hoffen ließ.

A. Die Lebensumstände des Petreus bis zur Ubérnahme seines Frankfurter Amtes.*)

Der antikisierenden Zeit entsprechend hatte sich Petreus einen Beinamen beigelegt, Herdesianus, den er nach seinem Geburtsorte Herdesia oder Hardesia, d. i. Hardegsen, ³⁸) (im heutigen preußischen Regierungsbezirk Hildesheim) gewählt hatte.

In dieserBraunschweig-Lüneburgischen Stadt, die 3 Stunden von Göttingen, der Hauptstadt des Fürstentums Göttingen, entfernt lag, ist Heinrich Petreus am 1. Februar 1546, also an ebendemselben Tage geboren, an dem der Reformator Luther aus dem Leben schied. Er war aus angesehener Familie Sein Vater Heiso Petreus, der dem Herzog Erich von Braun- schweig-Kalenberg alsTrabanten-Hauptmann mit Ehren gedient und in der 1519 dem Bischof Johann von Hildesheim und Herzog Heinrich von Braunschweig geliefertenSchlacht

3⁵) Ein Sohn des vormaligen Rectors(1502 1509) derStiftsschule des Liebfrauenstiftes, nachmaligen Gerichtsschreibers Johann Fichard( 1530). Ein eifriger Schüler des Micyllus war er sein Lebenlang ein Verehrer humanistischer Studien. 1541 hatte ihm Karl V. den erblichen Adel und die Pfalzgrafenwürde verliehen. Vielen Fürsten diente er alsRath von Haus aus, war Gesandter Frankfurts in den schwierigsten Fällen, ist besonders durch sein legislatorisches Hauptwerkdie Reformation von 1578 um seine Vaterstadt verdient. Erst jetzt, nach Einführung desBürgerlichen Gesetzbuches, erscheint Fichards Geist nicht mehr im Frankfurter Rechtsleben. Eine ausführliche Lebensbeschreibung bietet die anziehende Monographie von R. Jung, Dr. Johann Fichard, im Frkf. Arch. 3 F. II(1889). Über Fichards Bedeutung als praktischer Jurist, seine litterarischen Verdienste, insonderheit als Verfasser der ersten von einem Deutschen stammenden juristischen Litteratur- geschichte vgl. Stintzing, Geschichte der deutschen Rechtswissenschaft I, 592 ff, und dessen Aufsatz in der A. D. B. VI, S. 757 759.

³7) Chr. A. Heumann, Programma, quo memoriam Henrici Petrei, primi Gottingensium Paedagogiarchae, renovat. Gottingae 1724 u. 25 Er teilt mit, daß sein Zeitgenosse, der Frankfurter Gymnasialrektor Klumpf, den Plan gefaßt habe,Rectorum Gymnasii sui vitas componere inter eosque nostri Petrei. Leider hat Klumpf trotz des damals noch reichlicheren Materials die Absicht nicht verwirklicht. P. Zimmermann, A. D. B. XXV. (1887) S. 519/520.

³s) J. G. Domeier, Geschichte der Stadt Hardegsen. Zelle 1771.