Aufsatz 
Henricus Petreus Herdesianus und die Frankfurter Lehrpläne nebst Schulordnungen von 1579 und 1599. Eine kulturhistorische Studie
Entstehung
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Ers vff seinen Costen thue. Mit dem Ausscheiden Hombergers scheint auch sein Lehrbuch aus dem Unterricht der Anstalt verschwunden zu sein.

Von anderweitiger litterarischer Thätigkeit des Rektors während seiner Frankfurter Zeit erfahren wir, daß er derCensur, d. h. den Prädikanten, am 25. Januar 1565 ¹⁵) ein Buchlin super Articulum Justificationis einreichte. Das Urteil des damals allmächtigen litterarischen Areopags lautete,das die Materi an Ir selbst nit böß sei, aber die Prefatio sei nit viel werdt. Der Verfasser mußte sich daher zu einer Anderung der Vorrede verstehen.

Gegen Ende seines vielbewegten Lebens behandelte er, wie wir noch hören werden, dasselbe theologische Problem noch einmal in poetischer Form.

Aus seinem Rektorat hat sich nur ein einziges interessantes Dokument erhalten. Eine lateinisch abgefaßte Schrift an den Rat und die Scholarchen, in der er zurAufführung der Tragödie Esther einlädt. Als ältestes Programm dieser Art, das die Frankfurter Bildungs- geschichte des dem Schuldrama besonders holden Reformations-Jahrhunderts aufzuweisen hat, verdient dieses, in der Uffenbachschen Manuskriptensammlung entdeckte, bisher ungedruckte, nur annähernd zu datierende Aktenstück einen Abdruck in diesen Blättern.

Die Sitte, durch eine besondere, natürlich lateinische Einladungsschrift an die obersten Behörden dem beabsichtigten Festspiel günstige Aufnahme zu sichern, hat sich bis ins 18. Jahr- hundert in Frankfurt erhalten. ¹⁰) Unter den Vopgängern Hombergers hatten sich Micyllus¹⁷*) und Cnipius Andronicus die Pflege des als unschätzbaren Bildungsmittels geltenden Schul- dramas, dessen Aufführung auch im öffentlichen Leben ein litterarisches Ereignis bildete, besonders angelegen sein lassen; unter seinen Nachfolgern verdienen als Bühnenfreunde außer Petreus besondere Erwähnung Hirtzwig, ¹s) J. Valentini, ¹?) Elias Hofmann, Joh. Gerhardus Arnoldus und Joh. Thomas Klumpf. Der pädagogische Zweck blieb im Laufe der Jahr- hunderte der gleiche, wie ihn noch 1720 Klumpf angegeben hat,ut iuventus nostra non tantum bonis litteris, sed etiam bonis moribus imbueretur et per actus eiusmodi dramaticos alacrior promotiorque ad loquendum evaderet. Dielateinische Zunge sollte vor allem gelöst, Sicherheit des Auftretens erzielt, Moral gepredigt und ein ganz klein wenig Aesthetik beigebracht werden.

Homberger führte mit seinen Schülern ein biblisches Drama auf, das den dankbaren Stoff der Geschichte der Esther behandelte, jener schönen Jüdin, die, zur Gemahlin des

¹5) Vgl. auch 30. 1. 1565.

¹6) Nur noch eine einzige ähnliche Einladungsschrift zu einer dramatischen Aufführung der Frankfurter Gymnasiasten ist erhalten, von Joh. Thomas Klumpf, verfaßt für das am 6. Juni 1720in acroaterio novo prope templum D. Catharinae horis a prima pomeridianis zu agierende Dramavon Theodorico, der Ost-Gothen König in Italien, wie er die beyde vornehme Männer zu Rom, Symmachum und Boethium, unschuldiger Weise hinrichten lassen. Der über Geschichte und erzieherischen Wert des Schuldramas sich ver- breitenden lateinischen Abhandlung ist angefügt, lateinisch und deutsch, eineKurze Eintheilung des ganzen Dramatischen Actus. Aus Raummangel behalte ich mir die Veröffentlichung dieses Scenariums an anderer Stelle vor.

17)Apelles in Aegypten Eine lateinische Schulkomödie aus dem 16. Jahrhundert von Jacobus Micyllus, deutsch von Theodor Vulpinus. Jahrb. für Geschichte, Sprachen und Litteratur Elsaß-Lothringens. Bd. XVI.

¹8) Im Jahre 1617 hat Hirtzwig die Lutherfeier durch ein Schuldrama verherrlichen helfenin quo reformationis purioris historia tota continetur et ita exponitur, ut nihil, quod memoratu dignum videri queat, omissum fuerit(nach den Worten Klumpfs). Vgl. im übrigen Goedeke, Grdr., und Reinhardt, Progr.

¹²) Zur Zeit der Wahl Leopolds I. vor erlauchtem Auditorium.