Aufsatz 
Henricus Petreus Herdesianus und die Frankfurter Lehrpläne nebst Schulordnungen von 1579 und 1599. Eine kulturhistorische Studie
Entstehung
Einzelbild herunterladen

vII

folgers, und blieb noch Jahre lang als Lehrer an der Anstalt.*) Homberger konnte nämlich regirender seucht und dersterbenden leut halben nit vffzihen. ²) Erst am 9. Mai 1564 wird sein Amtsantritt im Rate angezeigt; Besoldung sollte er vom Tage seiner Bestallung an bekommen.)

Für das Winterhalbjahr 1564/65 hatte der neueRector ad minores zwei Wünsche. Die Frequenz der untersten Klasse war damals bei der trotz häufiger Pest- epidemien ständigen Bevölkerungszunahme so stark geworden, daß er den Rat wiederholt zu bitten Veranlassung fand, ihm noch einengehülffen zu uersehung der vierten Klasse zuzuordnen, der bald darauf alsunbesoldeter Hilfslehrer ¹⁹) Florus in den Akten zum Vorschein kommt. Auch bittet Hombergerin ainem andern gemach ainen ofen machen zu lassen, damit die Jungen nit so betrangt vnder ainander sitzen.* ¹¹) Ob der Rat sein Gesuch für diesen Winter genehmigte, ist nicht zu ermitteln; für den übernächsten Winter 1566/67 aber wurden dieCastenpfleger angewiesen,ime allerlai In der Schulen gegen den Winter fertigen zu lassen.*¹²) Auch seine wiederholte Klage überdas täglich geschrei vnd vnlust der (fremden) Metzger, so mit Irem flaisch Kauf vor die Schule In hof geordent worden,dann er des geruffs vnnd anderer Vnordnung halben nit lesen konne, fand im Mai 1567 Gehör. Die Ruhestörer werden aus der Umgebung des Barfüsserplatzes an eingelegner Ort verbannt. ¹³)

Auch die Verbesserung der Unterrichtsmittel ließ sich Homberger angelegen sein; er schrieb eine lateinische Grammatik, die er dem Rat dedicierte. Das Bürger- meisterbuch meldet unter dem 29. Juli 1567es hab der Rector zun Barfüssern vſs des Herrn Philipi Melanthonis vnnd anderer Gelerten-Gramaticen ein Gramatica zusammen- getragen, welche den Jungen furtreglicher, dann andere sein solle, vnnd, die weil sie Ine ettwas zu trucken Cost, bitt Er Ime daran zustewer zukommen zu lassen. Der Rat erkundigte sich,was solche Grammatica wol zu trucken Cost habe, und teilte am 31. Juli 1567 mit, es seinach anzaig des Truckers mit Pappir vnnd Truckerlon In allem bei 30 fl. daruffgangen. Es erfolgte der Ratsbeschluß:Sol man Ime zu solchem Buch 15 Taler ¹⁴) zustewer geben vund darneben sagen, wolle er hinfurthers mehr ettwas Trucken lassen, das

*) Seine Gehaltsbezüge wurden, am 8. 3. 1565, so geordnet, daß man ihm, gleich seinem Kollegen Acontius,zu den 50 Gulden Jars aus dem Katharinen Closter noch 20 Gulden bewilligte. Vgl. auch R. P. vom 30. I. 1565.

3) 9. 11. 1564.

*) Beschluß vom 9. 11. 1564

¹⁰) 10. 7. 1567:wie das er nhun zwai Jar lang die schul helffen versehen vnd souil muhe vnnd wol mehr, dann andere gehabt, bittet er,Ime gleich andern besoldung zu geben. Vergeblich muß er denVer- ordneten immerdar nachlauffen, die sich erst von dem dauernden Bedürfnis einer Hilfskraft überzeugen und zusehen wollenwieuil Jeder(Collaborant) knaben hab, was man Jeden lese, auch ob die notdurfft erforder, souil Collaboranten zu halten.(29. 7. 1567). Am 1. 9. 1567 erhält er die Zusicherung einer Zuwendung von 100 Gulden für seine ganze bisherige Dienstzeit; doch hatte es mit der Auszahlung noch gute Wege. Den gemeinen Casten, die Stadtkasse wollte man nicht belasten, ging vielmehr damals ernstlich mit dem Gedanken um,Wege zu finden, damit die Predicanten und Schulen vfs beden Clostern, zu sanct Katharinen und den weiffen Frawen, erhalten werden.(10. 6. 1568). Die beiden Klöster widersetzten sich auf die Dauer mit Erfolg.

) 26. 9. 1564 und 26. 10.

¹2) 26. 9. 1566.

¹3) 10. 4. und 8. 5. 1567.

¹⁴)= 17 fl. 6 Heller nachRechenbuch 1567, 25. October, Ausgabe: Aintzling.