Aufsatz 
Über die Vorstufe des mathematischen Unterrichts / Lichtenberg
Entstehung
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schreitet vom Körper zur Fläche, von der Fläche zur Linie fort; die zweite erteilt An- leitung, gegebene Elemente nach den mannichfachen, in der Natur der Sache liegenden, Verhältnissen zu verknüpfen, dann Flächen durch Linien und Punkte, Körper durch Flächen und Linien zu zerlegen, und endlich die Gebilde durch Bewegung von Elementen oder von Gebilden geringerer Stufe zu beschreiben oder den möglichen Veränderungen zu unterwerfen. An den ersten Teil schliesst sich mit Vorteil auch derjenige Zeichen- unterricht an, welcher es mit dem Abzeichnen der einfachsten Gestalten zu tun hat. Nur begint das Zeichnen erst da, wo die Flächen nach Eigenschaften, Stellungen und Lagen, und später die Körper nach ihren Stellungen und Ansichten betrachtet werden. Der Zeichenlerer knüpft da an, wo der Lerer der Mathematik stehen geblieben ist. Lässt dieser das Gesezmässige auflassen, so übt jener das Auge zu sehen und die Hand das Gesehene im Umriss nachzubilden. So gehen beide Gegenstände eine Zeit lang(im Elementarunterricht) neben einander her, sich gegenseitig unterstützend und ergänzend, bis sie später, auf einer weiteren Stufe sich mer von einander trennen, ihr eigentüm- liches Ziel verfolgend.

Daraus siht schon ein Jeder, dass wir keinesweges an abgebildeten Körpern oder gar an beschriebenen zu leren gedenken. Die wirklichen Körper, eben so wie nachher die Flächen und Linien, welche leztere freilich Zeichnungen sein können, müssen vor die Sinne und die Seele des Schülers gebracht werden, damit er daran lerne. Aber auch den zweiten Teil kann das Zeichnen mit Vorteil begleiten, indem namentlich auf dieser Stufe die Schüler hefähigt sein werden, Formen, die sie mit Rülksicht auf ihre Gesez- mässigkeit, ihre Regel zu beurteilen im Stande sind, nach den Gesetzen der Symmetrie und Harmonie, üherhaupt schön zu gestalten, andre geschmakvoll zusammen zu ordnen, zu verändern u. s. W. und so eine andre Seite des Geschmaks zu bilden. Ja es wird auf sem Standpunkt sogar nicht untunlich sein, Körpergestalten aus Ton zu formen.

Ich habe mir diese kleine Abschweifung erlaubt, um die Leser in Gedanken auf das Feld zu versetzen, mit dem wir es zunächst zu tun haben. Den Reichtum der Haupt- formen alseitig, aber sinnig betrachten und auffassen, die mannichfachsten Verhältnisse

was ich seit Jaren auszufüren getrachtet habe.(Vgl. Gesch. d. Pädag. 3. Band, 1. Abt. S. 189). Freilich bescheide ich mich gern, dass ich mit meinem Versuch, noch weit hinter dem, was ich zu leisten erstrebte, zurückgeblieben bin. Ich wurde ebenfals durch Vorlesuugen über Mineralogie, die ich im Jar 1829 30 bei Hofrat Hausmann in Göttingen hörte, auf diesen Weg gefürt.