Aufsatz 
Über die Vorstufe des mathematischen Unterrichts / Lichtenberg
Entstehung
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einzig ihr Ziel vor Augen habend, vertieft, so fand dieser Zweig teils nicht die rechte Anerkennung*), teils artete er auch wirklich in den Händen Unberufener in Spielerei und Tändelei aus, die in der Schule stets schadet. Ich teile hier einen Versuch mit, wel- cher zeigen soll, wie er zu behandeln sei*ε), wobei ich bevorworte, dass es mir nicht darum zu tun ist, zu dem Übermass von Unterrichtsgegenständen einen neuen in gleicher Weise, wie das leider merfach geschehen ist, hinzuzutun, den der eigentliche Zweck des Jugendunterrichts nicht fordert, welcher dem Gedächtniss aufgeladen werden soll, one dass die geistige Tätigkeit der Jugend den Stoff wirklich zu bewältigen im Stande wäre, sondern gerade dem geisttödtenden Mechauismus entgegenzuwirken und dem wissen- schaftlichen Unterricht eine tüchtige Unterlage zu bereiten, die es dem jungen Menschen ermöglicht, wie hier, so später dort mit Lust zu arbeiten. Der Schüler werde hier über- all nur von dem Lerer gefürt und angeleitet, die einfachen Warheiten entweder der Sache selbst zu entnemen oder sie zu erfinden, und so zugleich daran gewönt, anhaltend richtig zu betrachten und zu beobachten, und in geordneter zwekmässiger Weise mathematische Warheiten zu suchen, zwei Grundbestandteile alles Lernens auf dem Gebiete des Naturlebens. Denkt sich der Lerer dagegen seine Tätig- keit dabei so, dass er, wie bei geschichtlichen Lerstoffen, nur zu geben habe, damit die Schüler wiedergeben, so mishandelt er den mathematischen Stoff und verkümmert das Lernen seiner Schüler eben so sehr, als wenn er dieselben anleiten wolte, Geschichte zu beobachten oder gar zu construiren.

Wir unterscheiden zwei Abteilungen unseres Unterrichts, und in jeder drei sachliche Abschnitte. Die erste Abteilung leitet an, Gegebenes richtig zu betrachten***ν), und

*) Vergl. z. B. Professor Dr. Martin Ohm's Versuch einer verständlichen Anweisung 10 14jährige Knaben zu einem leichten, gründlichen und wissenschaftlichen Studium der Mathematik fähig zu ma- chen. Einleilung S. XVIII. ff. Ich kann mich jedoch dem Urteil des berümten Lerers in dieser Bezihung nicht anschliessen, weil ich durch die Erfarungen, welche ich wärend eines 2järigen Aufenthaltes als Hälfslerer in einer Erzihungsanstalt von De Laspee in Wiesbaden(vom Jare 22 24) über die Wirkungen auch selbst bei einer mangelhafteren Methode zu machen Gelegenheit hatte, eines besseren belert worden bin.

4*) In der Kürze wird, so der Herr will, ein ausfürliches Lerbuch von mir über diesen Gegenstand er- scheinen, sowol ein Handbuch für Lerer, als auch ein Leitfaden für Schüler.

an) Ich wurde freudig überrascht, als ich zuerst Karl von Raumer's Ansichten über den Gang des für die

Geometrie vorbereitenden Unterrichts las, wo derselbe mit wenigen treffenden Zügen das andeutet, 1*