Aufsatz 
Die Blätter unserer Laubbäume
Entstehung
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welche an Geſtalt uvd Größe mannichfach verſchieden ſind. Ihre Seitenwände ſind theils geſtreckt, ſo daß die Zellen, von oben geſehen, als geradlinige Figuren erſcheinen, wie bei Quercus und Betula, theils mehr oder weniger gebogen oder gewunden. Am meiſten iſt dieß bei Fagus sylvatica und Carpinus Betulus der Fall, wo die Zellen faſt eine ſternförmige Geſtalt annehmen. Es ſſt leicht erſichtlich, daß dabei das ganze Gewebe, bei gleicher Größe der Zellen, viel dichter erſcheinen muß. So läßt uns der erſte Anblick die Zellen der oberen Epidermis bei Quercus pedunculata für größer halten, als bei Fagus sylvatica, während das Umgekehrte der Fall iſt. Bei den Epidermis⸗Zellen von Ulmus campestris iſt der einſpringende Winkel, welchen die Seitenwände zeigen, eigenthümlich. Natürlich iſt es ſchwer, das Charakte⸗ riſtiſche der einzelnen Geſtalten in Worten wiederzugeben; für die Entſtehung der Epidermis aber dürfte die Bemerkung nicht überflüſſig ſein, daß alle Geſtalten der Art ſind, daß wir uns je zwei oder mehrere Zellen zu einer von ähnlicher Form vereinigt denken können. Die Dicke der Scheidewände der Epidermiszellen, alſo die doppelte Dicke der Zellenwand, beträgt ungefähr 0,0025 Millimeter*). Etwas größer iſt ſie bei den Populus⸗Arten, namentlich bei der unteren Epidermis von Populus tremula, wo ſie bis auf 0,004 Millimeter ſteigt. Der ſenkrechte Schnitt durch die Epidermiszellen zeigt ſie faſt immer von rechtwinklicher Geſtalt; nur bei Ulmus campestris ſind die Zellen der obern Epidermis nach dem Innern des Blattes hin polyhedriſch. In der Regel alſo ſind die Epidermiszellen tafelförmig und zwar beträgt ihre Höhe 0,015 bis 0,030 Millimeter. Im Allgemeinen haben die größeren Zellen auch eine größere Höhe; die obere Epidermis iſt dem entſprechend dicker als die untere. Bei den Zellen mit geraden Seitenwänden iſt die Höhe von der mittleren Breite weniger verſchieden, als bei denen mit gewundenen. So ſind die Epidermiszellen bei Betula alba faſt ſo hoch als breit, während bei Carpinus Betulus der mittlere Durchmeſſer die Höhe dreimal übertrifft. Nach außen hin erſcheint die Wand der Epidermiszellen durch Cuticularſchichten verdickt. Dieſe Verdickung kommt auf der Oberſeite des Blattes von Alnus glutinosa dem inneren Durch⸗ meſſer der Zellen gleich. Von abweichender Geſtalt ſind die Epidermiszellen über den Rippen des Blattes. Bei allen Blättern haben ſie an dieſen Stellen mehr oder weniger die Form ſchmaler Rechtecke.

Die Zellen der unteren Epidermis weichen in ihrer Geſtalt von denen der oberen gewöhn⸗ lich nicht ſehr ab. Faſt immer ſind ſie kleiner, in Größe und Geſtalt weniger gleichmäßig und ihre Seitenwände mehr gebogen, ſo daß die Epidermis der unteren Blattfläche das Bild eines engmaſchigeren, unregelmäßigeren Retzes bietet, als die der oberen.

Die abſolute Größe der Epidermiszellen läßt ſich wegen ihrer unregelmäßigen Geſtalt nicht wohl direkt beſtimmen. In der nachfolgenden Tabelle iſt der mittlere Durchmeſſer der Zellen in der Weiſe beſtimmt worden, daß aus der beobachteten Anzahl derſelben auf einem Quadratmillimeter ihr mittlerer Flächeninhalt berechnet und der Durchmeſſer eines Kreiſes von gleichem Inhalt geſucht wurde.

*) Die Größenangaben gründen ſich auf genaue nach dem Mikroſkop in der Weiſe ausgeführte Zeichnungen, daß in ein Netz mit quadratförmigen Maſchen von 13,5 Millimeter Seitenlänge die Bilder ſo eingezeichnet wurden, wie ſie auf einem in 400 Quadrate getheilten in Glas geätzten Quadratmillimeter erſchienen. Der Maßſtab der Zeichnung war alſo 270: 1.

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