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Quercus pedunculata, Alnus glutinosa und Corylus Avellana etwas mehr nach oben, etwas mehr nach unten bei Alnus incana und Populus pyramidalis und nahe dem Grunde bei Populus nigra und Betula alba.
Mit der Ausbreitung der Blattfläche hängt die Vertheilung der Rippen des Blattes eng zuſamen. Zu der Annahme, die Geſtalt des Blattes ſei durch die Vertheilung der Rippen bedingt, berechtigt uns indeſſen nichts; es iſt vielmehr wahrſcheinlicher, daß die Entwicklung der Rippen ſich der Geſtalt des Blattes anpaßt. Nennen wir die von der Mittelrippe ausgeſandten Seitenrippen die Rippen erſter Ordnung*), die von dieſen auslaufenden die zweiter Ordnung u. ſ. w., ſo iſt zunächſt darauf aufmerkſam zu machen, daß bei einigen Blättern zwiſchen den Rippen erſter und zweiter Ordnung ein ſcharfer Unterſchied beſteht, ſo namentlich bei Carpinus Betulus, wo nur die Rippen erſter Ordnung gegen die untere Blattfläche vorſpringen. Was die Art der Vertheilung betrifft, ſo ſcheint es Regel zu ſein, daß bei gleicher Ausbildung beider Blatthälften die Rippen erſter Ordnung gegenſtändig ſind. Es tritt dieß allerdings ſelten ein. Auf derjenigen Seite, wo die Blattfläche am Grunde ſtärker ausgebildet iſt, rücken die Rippen erſter Ordnung weiter herab; es findet dieß aber um ſo weniger ſtatt, je gleichmäßiger die Aus⸗ bildung der unteren Theile des Blattes auf beiden Seiten iſt. Die Rippen niederer, häufig ſchon die zweiter Ordnung, vereinigen ſich in ihren Enden, ſogenannte Anaſtomoſen bildend und es entſtehen ſo immer kleinere geſchloſſene Zwiſchenräume. Nur bei den Rippen letzter Ordnung findet dieß nicht ſtatt und es läßt ſich deßhalb Zahl und Größe der Lücken nicht beſtimmt angeben. Eine Vergleichung der verſchiedenen Blätter zeigt übrigens, daß ſie bei allen etwa gleich groß ſind und unabhängig von der Größe des ausgebildeten Blattes. Schwierig iſt es, auch zu ermitteln, ein wie großer Theil der Blattfläche von den Rippen und welcher von den dazwiſchen liegenden Gebilden eingenommen wird, da die letzten Ausläufer der Rippen nur unter dem Mikroſkope wahrzunehmen ſind und ſelbſt da kein ſcharf begrenztes Ende zeigen. Man wird ſich übrigens nicht weit von der Wahrheit entfernen, wenn man annimmt, daß das Gerippe des Blattes etwa die Hälfte der ganzen Blattfläche einnimmt.
Die Einſchnitte des Randes hängen mit der Vertheilung der Rippen ebenfalls zuſammen, ſo jedoch, daß auch hier eine Abhängigkeit der erſteren von der letzteren anzunehmen nicht noth⸗ wendig iſt. Gewöhnlich endigt in der Spitze jedes Zahnes eine Rippe, während die Winkel zwiſchen den Zähnen das Zuſammentreffen mehrerer Rippen in einem Punkte zeigen; bei den Populus⸗Arten dagegen und bei Salix Capres wird der Rand der Zähne von Rippen gebildet, deren Windungen ſich die im Blatte zunächſt liegenden anpaſſen. Die Spitze tritt beſonders ſtark hervor bei Corylus Avellana, während bei Alnus glutinosa die Ränder des Blattes an der Spitze einen einſpringenden Winkel bilden. Nach Schacht iſt daran das frühzeitige Abſterben des Endzahnes ſchuld. Am Grunde des Blattes bilden die beiden Blattränder einen ein⸗ ſpringenden Winkel nur bei Populus nigra.
Zu dem inneren Bau des Blattes übergehend, unterſcheiden wir, abgeſehen von dem Gerippe des Blattes, das die Zwiſchenräume der letzteren ausfüllende Zellgewebe und die die obere, wie die untere Fläche des Blattes bekleidende Epidermis. Faſſen wir zuerſt den Bau der letzteren ins Auge. Sie wird meiſt von einer einzigen Lage tafelförmiger Zellen gebildet,
*) Ich gebrauche den Ausdruck„Rippen“ ſtatt der gewöhnlicheren„Nerven“ oder„Adern“, da dieſe Bezeich⸗ nung dem Weſen derſelben mehr entſpricht. Auch iſt„Mittelrippe“ allgemein gebräuchlich und das Collectivum„Ge⸗ rippe“ wird beim Schiffsbau und Hausbau in ähnlichem Sinne angewendet.


