Aufsatz 
Elternhaus und Schule / von Wilhelm Karl Lex
Entstehung
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Vergnügen, welche sie zu unserer Zeit viel früher kennen lernen als sonst, fast schon zum Bedürfniss geworden. Lange vorher, ehe sie das Alter erreicht haben, in welchem ihnen Antheil an denselben gestattet werden kann, werden sie von ihren Eltern entweder aus Un- kenntniss der ersten Erziehungsgrundsätze, oder aus Nachgiebigkeit gegen ihre Wünsche, oder wohl gar aus Bequemlichkeit, weil deren Beaufsichtigung zu Hause zu viele Umstände macht, wenigstens als Zuschauer mitgenommen, und es ist unvermeidlich, dass die dadurch frühzeitig angeregte Sinnlichkeit eine Abneigung gegen ernste Beschäftigung erzeugt, die Wirksamkeit des Unterrichts und der Erziehung nicht wenig hemmt, den Kindern selbst die Freude aun solchen Vergnügungen in dem Alter, in welchem sie dieselben geniessen könnten, verleidet und sie zu unzufriedenen, immer nach den über ihrem Alter liegenden Genüssen haschenden Menschen macht. Ein zu spätes Eintreten in die weiteren Kreise des geselligen Lebens hat zwar auch seine Nachtheile, allein diese sind lange nicht so gross, als wenn dasselbe zu frühe geschieht. Einer klösterlichen Erziehung, einer strengen Absperrung vor jeder Berüh- rung mit der Aussenwelt will ich keineswegs das Wort reden, aber ein das Alter berück- sichtigendes, allmähliges und vorsichtiges Einführen in das Leben ist nöthig, soll sich die Kindlichkeit des Gemüths nicht zu früh verlieren, soll die geistige, wahre Bildung nicht durch jene äussere scheinbare Bildung, durch eine blosse Gewandtheit in Beobachtung der geselligen Formen verdrängt werden, die immer noch von vielen Eltern zu sehr überschätzt und mehr als die andere erstrebt wird. Kommen den Kinderjahren kaum entwachsene, junge Leute zu viel in gesellige Kreise von Männern, worin man auf ihre Gegenwart keine Rücksicht nimmt, so werden sie manches Gespräch über Zeitfragen und andere Verhältnisse mit anhören, das sie nicht verstehen, und das nicht für sie passt. Sie massen sich dann wohl auch ein Urtheil an über Dinge, die sie zu fassen noch gar nicht im Stande sind. Dadurch wie durch die oben schon erwähnten, zu hochgehaltenen Unterrichtsvorträge, die in die Schule verlegen, was der Universität angehört, und desshalb unverstanden und unverdaut nur vom Gedächtniss aufgefasst werden, wird jene Oberflächlichkeit, jenes vorlaute, absprechende, dünkelhafte Wesen begründet, welches die jungen Leute unserer Tage so scharf charakterisirt.

Die für diese wie für viele andere Verkehrtheiten in der Erziehung von den Eltern häuſig vorgebrachte Entschuldigung:Unsere Zeit verlange es so ist durchaus nicht haltbar, denn wir erziehen unsere Kinder nicht für unsere, sondern für ihre Zeit, für die Zukunft, und jeder Vernünftige sagt sich, dass der bisher verfolgte Weg einem Abgrunde zuführen muss, wenn nicht bei Zeiten eingelenkt wird. Aus diesem Grunde kann daher auch nicht jedesmal und unbedingt die Erziehungsmethode nachgeahmt werden, welche bei den Eltern in ihrer Jugend am Besten angeschlagen ist, durch die sie selbst so ausgezeichnete Männer und Frauen geworden sind und auf die im Vorstehenden in vielen Fällen anerkennend hingewiesen wor- den ist. Verhältnisse, der ganze Geist des Zeitalters, Naturanlage und Temperament der zu Erziehenden sind oft ganz andere, und dabei wird noch überschen, dass die Schule des