Aufsatz 
Elternhaus und Schule / von Wilhelm Karl Lex
Entstehung
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Lebens manche Mängel der früheren Erziehung allmählig und unbemerkt wieder ausge- glichen hat.

Was nun die unmittelbare Unterstützung und Förderung des Schulunterrichts und ihres Erziehungsantheiles durch die Eltern betrifft, so sei es mir gestattet, hier noch auf Einiges aufmerksam zu machen, was häufig übersehen oder als unbedeutend und gleichgiltig nicht beachtet wird.

Nicht selten lassen es die Eltern den Kindern an den nöthigen Lehrmitteln fehlen. Nicht die zweckmässigsten, sondern die wohlfeilsten und darum oft schlechtesten Ausgaben der Schulbücher werden angeschafft, oder der Schüler muss sich mit veralteten herumplagen, die schon Grossvater und Vater auf der Schulbank benutzt haben, oder die man von einem aus der Anstalt abgegangenen Schüler um eine Kleinigkeit sich verschaffen konnte. Ob der Schüler damit gleichen Schritt halten kann mit seinen Mitschülern, die bessere, mit manchen Erleich- terungsmitteln versehene Lehrbücher besitzen, ob er in Vergleichung mit diesen die doppelte Zeit auf seine Aufgaben verwenden muss, kommt nicht in Frage. Ich weiss recht wohl, dass für manchen Vater die Ausgaben für den Unterricht seiner Kinder sehr drückend sind, gebe auch zu, dass manche Lehranstalten durch den häufigen Wechsel der Lehrbücher auf diese Unkosten wenig Rüchsicht nehmen; aber dennoch finde ich diese Sparsamkeit am unrechten Orte. Oft wird hierbei von den Eltern mit wenigen Kreuzern gegeizt, während Gulden für das Vergnügen ihrer lieben Kinder ohne Bedenken hergegeben werden. Andere glauben auch wohl, ihnen dadurch eher etwas für ihr künftiges Fortkommen zurücklegen zu können, und bedenken nicht, dass die Verwendung des Vermögens auf die Ausbildung der Kinder die beste Kapitalanlage für diese, und es eine ganz falsch angewendete Sparsamkeit ist, ihnen die Gelegenheit, etwas Gutes zu lernen, zu entziehen oder ihre Lehrzeit zu erschweren oder zu verkürzen. Bei vielen, wohl den meisten Eltern tritt auch eine solche Sparsamkeit nicht aus Noth ein, da sie ja leicht die unbedeutende Mehrausgabe an unnützem Spielwerk oder sinn- lichen Vergnügungen, die sie ihren Kindern bereitwillig gewähren, ersparen könnten; sondern aus Unkenntniss des nachtheiligen Einflusses.

Der Vater lasse ferner bei jeder Gelegenheit die Theilnahme sehen, die er an dem Unter- richte seines Sohnes nimmt, unterhalte sich mit ihm zuweilen darüber und prüfe seine Fort- schritte, wenigstens in allgemeiner Geistesbildung, wenn er nicht im Stande ist, ins Einzelne einzugehen. Er bespreche sein Zeugniss nicht nur mit ihm, sondern auch mit seinen Lehrern, wodurch der Eifer des Sohnes geweckt und erhalten und selbst die Aufmerksamkeit der Lehrer mehr auf ihn hingelenkt wird. Ueberhaupt ist häufige Besprechung der Eltern mit den Leh- rern und gegenseitiger Austausch ihrer Beobachtungen an dem Schüler sehr zu empfehlen. Diese werden von dem Lehrer gewöhnlich unbefangener gemacht und unparteischer beurtheilt. Verständige Eltern legen daher darauf besonderes Gewicht und werden mit den Leistungen ihres Sohnes nicht so leichthin zufrieden sein, wenn sie hören, dass er mit seinen Mitschülern