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Schriftſtellern unſeres Volkes, in welchen ſich der Geiſt und Charakter deſſelben in ſeiner Tiefe geäußert hat, iſt das Band, das den Einzelnen an ſein Vaterland zu knüpfen vermag, und Achtung vor dem Reichthume dieſer Sprache das Mittel, die Nation, deren Inneres zu lebendigem Ausdrucke in dieſer Sprache geworden iſt, achten und lieben zu lernen.
Die Methode dieſes Unterrichtes, wie das Geleſene mit dem Schüler durchzu⸗ gehen, wie der ganze theoretiſche Sprachunterricht daran anzuknüpfen iſt und die nothwendigen Uebungen im mündlichen Vortrage und in eigenen Produktionen da⸗ mit verbunden werden können, übergehe ich hier, da dieſes Alles mit einem gründ⸗ lichen Unterricht der deutſchen Sprache auf Gymnaſien zuſammenfällt und bei einer anderen Gelegenheit von mir ſchon ausführlich behandelt worden iſt*).
Da die Einführung fremder Sprachen in wiſſenſchaftliche Bildungsanſtalten unumgänglich nöthig iſt, weil ihre Kenntniß das richtige Verſtändniß der Mutter⸗ ſprache erſt recht erſchließt und deren gründliche Erlernung weſentlich erleichtert, hauptſächlich aber, weil ſie über einſeitige, nationale Begriffe zu allgemeinen Anſich⸗ ten erhebt und dadurch tiefere Blicke in die Natur des menſchlichen Geiſtes geſtat⸗ tet; ſo muß wenigſtens eine fremde Sprache auch unter die Unterrichtsgegenſtände der Realſchule aufgenommen werden.— Oben ſind die franzöſiſche und engliſche Sprache zur Aufnahme in dieſelbe beſtimmt worden, weil ſie als Weltſprachen für den künftigen Lebensberuf der meiſten Realſchüler unentbehrlich und als Abdruck des Ideenkreiſes zweier Völker, welche mit dem deutſchen als die Hauptträger des heutigen Cultur⸗ zuſtandes angeſehen werden müſſen, für einen jeden Gebildeten hochſt wünſchens⸗ werth ſind.— In formaler Bildungskraft ſtehen ſie zwar dem Griechiſchen und Lateiniſchen der Gymnaſien weit nach; aber deren Stelle ſollen in den Realſchulen auch nicht ſie, ſondern die Mutterſprache vertreten.
Der Unterricht in den neueren Sprachen hat ſich genau an den deutſchen Sprachunterricht anzuſchließen, und wenn er auch vorzugsweiſe den letzteren in ſei⸗ nem formal bildenden Zweck unterſtützen ſoll, ſo iſt doch dabei auf Richtigkeit und Geläufigkeit des fremden Idioms im mündlichen und ſchriftlichen Ausdruck zu ſehen. Dadurch iſt zugleich der bei dem Unterricht einzuſchlagende Lehrgang beſtimmt. In den unteren Klaſſen muß er mit beſtändiger Beziehung auf die Mutterſprache und ſteter Vergleichung mit ihr die formale Bildung überwiegend im Auge haben, d. i. die Ausbildung des Denkvermögens durch die in dem Organismus der Sprache ſich ſpiegelnden Geſetze. In den oberen Klaſſen richtet er ſich für den entwickelte⸗ ren Verſtand des Schülers mehr auf die Aneignung der Eigenthümlichkeiten der fremden Sprache in allen ihren Schattirungen und der darin dargeſtellten, beſonde⸗ ren Anſchauungsweiſe des Volkes, deſſen Sprache erlernt wird. Dadurch erhebt ſich die daran vermittelte Bildung über das ausſchließlich Nationale in das Gebiet des rein Menſchlichen und geiſtig Allgemeinen. Indem der Schüler dieſelbe Vorſtellung,
*) Welche Stelle iſt der Mutterſprache auf deutſchen Gymnaſien einzuräumen? Programm des Gymnaſiums zu Weilburg vom Jahr 1835,


