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empfehlen, verbunden mit ſicherer, unabänderlicher Hinrichtung des Willens auf das Gute und der Kräftigung des Gefühls für daſſelbe und die Religion überhaupt. Daher ſoll der Religionsunterricht in den oberen Klaſſen überall das Erkenntniß⸗ vermögen in ernſten Anſpruch nehmen, Nichts als religiöſe Wahrheit vortragen, dasjenige weglaſſen, was der aufgeklärten Vernunft geradezu widerſtreitet, aber auch nicht Alles in die Sphäre des niederen Wiſſens herabziehen, ſondern immer darauf hinweiſen, daß der menſchlichen Vernunft gewiſſe Grenzen geſteckt ſind, wo das Gebiet des Wiſſens aufhört und das des frommen Glaubens anhebt, welcher aber Nichts mit dem eitlen Wahn der Thoren gemein hat, ſondern in der Natur des menſchlichen Geiſtes, in der tiefſten Tiefe der menſchlichen Bruſt ſeine Begrün⸗ dung ſindet. Der Unterricht ſoll ferner ſo geſtaltet ſein, daß er das religiöſe Wiſ⸗ ſen des Jünglings weiter führt. Er ſoll bei religiöſen Gegenſtänden, gegen welche Zweifel und Einwürfe erhoben worden ſind, dieſelben offen darlegen und gehörig würdigen, dem Schüler ſoviele theoretiſche und hiſtoriſche Kenntniſſe von der chriſt⸗ lichen Religion beibringen, als ſeine Bildungsſtufe verträgt und ſeine einſtige Stel⸗ lung im Leben erheiſcht, daher Glaubens⸗ und Sittenlehre im Zuſammenhange vor⸗ tragen, den Schüler mit der heiligen Schrift und den allgemeinen Grundſätzen ih⸗ rer Erklärung und Auslegung bekannt machen und von der Religions⸗ und Kir⸗ chengeſchichte in entſprechender Weiſe das darbieten, was Zeit und Umſtände erlau⸗ ben.— Auf das Gemüth aber ſoll der Lehrer, ausgeſtattet mit der pſychologiſchen Erkenntniß, welche das Gemüth zu erfaſſen weiß, durch heiligen Ernſt und Wärme des Vortrags, durch erhebende Anſprache am rechten Platze, durch ſiegende Kraft der Beredſamkeit und Aehnliches einwirken. Vor Allem ſoll er die Hochachtung ge⸗ gen die heilige Schrift erhalten und befeſtigen, oder, wenn ſie geſchwächt iſt, in ent⸗ ſprechender Weiſe zurückführen, im Unterrichte nirgends Sektengeiſt und Partheiſucht nähren, ſondern überall das Wort des Friedens und der Liebe reden.— Je hoͤ⸗ her überhaupt der junge Menſch dereinſt in der bürgerlichen Geſellſchaft geſtellt, und je umfaſſender ſein Wirkungskreis ſein ſoll, deſto wiſſenſchaftlicher und tiefer muß auch ſeine ſittlich religiöſe Bildung ſein.—
Außer dieſer Anleitung zu wahrer Religioſität durch die Lehren des Chriſten⸗ thums muß, wie wir oben geſehen haben, die Realſchule ihren Schülern noch vie⸗ les Geiſt und Charakter bildendes Wiſſen nicht blos mittheilen, ſondern ihnen auch Alles, was von dieſem unermeßlichen Gebiete durchgenommen wird, durch gründ⸗ liche Durcharbeitung bis zur freieſten Beherrſchung zu eigen machen, damit ſie die erlangten Kenntniſſe und die daran gewonnene Fertigkeit im Denken und Sprechen zu einem weiteren Studium poſitiver Berufswiſſenſchaften und zu eigenen Produl⸗ tionen anwenden lernen. 42
Durch keinen ihrer Unterrichtsgegenſtände kann dieſes aber in höherem Maße erreicht, durch keinen der Sinn für das Allgemeine und Höhere mehr erſchloſſen, und das Gefühl für das Ideale mehr geweckt und gehoben werden, als durch den Unterricht in der Mutterſprache.


