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Nach dieſen Vorausſetzungen möchten folgende Lehrgegenſtände wegen ihrer formal bildenden Kraft und zugleich mit möglichſter Berückſichtigung ihrer Anwend⸗ barkeit für den künftigen Beruf der Zöglinge dem Unterricht in der Realſchule als Bildungsſtoff zum Grunde gelegt werden müſſen: Religion, deutſche, franzöſiſche und engliſche Sprache, Mathematik, Naturbeſchreibung, Naturlehre, Chemie, Geſchichte und Geographie und von Kunſtfertigkeiten: Schreiben, Zeichnen, Geſang und Tur⸗ nen. Mit Ausnahme der engliſchen Sprache und der Chemie dienen ſie alle auch den Gymnaſien zum Unterrichtsſtoffe, und ich werde daher in den hier folgenden, kurzen Andeutungen über ihre Behandlungsart in der Realſchule vorzugsweiſe nur das hervorheben, worin dieſe in beiden Anſtalten verſchieden iſt.
Den Religionsunterricht, welchen die Realſchule und das Gymnaſtum in gleicher Weiſe verlangen, könnte ich daher hier ganz übergehen, wenn ich nicht glaubte, daß gerade ihm eine beſondere Aufmerkſamkeit zuzuwenden wäre in einer Zeit, in welcher Aeltern nicht ſelten mehr Werth darauf legen, daß das bürgerliche Fortkommen, als das ſittliche Wohl ihrer Söhne geſichert ſei, in welcher die alte, ernſte Zucht der Familien der Genußſucht und dem Wohlleben häufig Platz gemacht hat, die ſtrenge Sitte des öffentlichen Lebens und das gute Beiſpiel der Erwachſenen die Schule uͤberhaupt weniger unterſtützt als früher, und dieſe ſelbſt mehr die Aufklä⸗ rung des Verſtandes, als die Veredlung des Herzens ſich zum Ziele geſteckt zu ha⸗ ben ſcheint. Kein Unterricht iſt aber geeigneter, dieſer Richtung unſerer Jugend⸗ erziehung entgegenzuwirken und die öffentlichen Schulen zu dem, was ſie ihrem Princip nach ſein ſollen, zu Erziehungsanſtalten, zu machen, als der Unterricht in der Religion, in welchem Verſtand und Gemüth gleichmäßig angeſprochen und ge⸗ bildet werden. In Beziehung auf ſeine Behandlung fällt es zwar in den untern Klaſſen einem gewandten Lehrer nicht ſchwer, das Kind dafür zu gewinnen und bei deſſen entgegenkommender Gemüthlichkeit Gefühl⸗ und Willensvermögen für die Tugend zu erwärmen und zu begeiſtern; ſchwieriger iſt aber, wie ſchon Hölzer be⸗ merkt*), dieſe Einwirkung in den oberen Klaſſen, in denen die kindliche Empfäng⸗ lichkeit für religiöſe Gegenſtände meiſtens verſchwunden, und dafür eine Aufklärung des Verſtandes eingetreten iſt, welche in ihrer eignen Ueberſchätzung Alles erforſchen und begreifen will und dabei noch häufig durch Bewunderung deſſen, was menſch⸗ licher Geiſt in Wiſſenſchaft und Kunſt hervorgerufen hat, von dem Glauben und der Verehrung der einfachen Religionswahrheiten und der kunſtloſen Darſtellung der heiligen Schrift abgezogen wird. Dazu kommen oft noch mancherlei Fehler der Lehrer, welche entweder wegen Mangel an Herzenswärme beim Religionsunterricht, oder durch verkehrte Maßregeln in der religiöſen Erziehung es unmöglich machen, daß wahre Religionskenntniß und reine, auf Ueberzeugung gegründete Hochachtung gegen die Religion gefördert werde. Zur Erreichung dieſes Zieles iſt eine gehörige Aufklärung des Verſtandes und der Vernunft in Bezug auf religiöſes Wiſſen zu
0) Ueber den religiöſen Geiſt in den oberen Klaſſen der Gelehrten⸗ und Real⸗Schulen. Sonders⸗ hauſen 1840. 2⸗


