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Nach dieſem Charakter müſſen nun auch die einzelnen Lehrgegenſtände, welche als Bildungsſtoff dem Unterricht in den Realſchulen zum Grunde gelegt werden ſollen, ihr Umfang und die Art ihrer Behandlung beſtimmt werden.— Nicht die Maſſe des Erlernten iſt es, worauf es hier ankommt, ſondern wie weit dasſelbe ſicheres, geiſtiges Eigenthum des Schülers geworden, und deſſen freie Selbſtthätig⸗ keit daran geübt worden iſt. Allgemeine Menſchenbildung, Geiſtesgewandtheit zu dereinſtiger, eigner Fortbildung iſt ja das nächſte Ziel, und die poſitiven Kenntniſſe, woran ſie erworben wird, ſind nur eine ſchöne, dankenswerthe Zugabe.
Die irrige Anſicht, die Realſchule müſſe ihre Zoͤglinge zu beſtimmten, einzel⸗ nen Berufsarten befähigen, hat ihr hin und wieder eine ſolche Menge von Unter⸗ richtsgegenſtänden aufgedrängt, daß die geiſtige Kraft des Schülers dadurch mehr zerſtreut als geweckt wird und unter der Maſſe erliegen muß. Scheiden wir aber aus dieſem kraftertödtenden Vielerlei das wahrhaft Geiſtbildende und Wiſſensnö⸗ thige aus, ſo wird die Anzahl der übrigbleibenden Lehrgegenſtänden noch hinter dem Lektionenverzeichniſſe mancher Gymnaſten zurückbleiben.— Schwieriger jedoch, als in dieſen, möchte es ſein, den für nothwendig erkannten und unter ſich ſo verſchie⸗ denartigen Lehrſtoff zu einem organiſchen Ganzen zu vereinen und ſo Einheit in die Man⸗ nigfaltigkeit zu bringen, was zu einem gedeihlichen Unterricht durchaus nothwendig iſt. Denn das Vereinzelte zerſplittert die Kraft, zerſtreut die Aufmerkſamkeit des Schůͤlers und erſchwert die Verſtändlichkeit und die Ueberſicht. Das hingegen wird dem Geiſte nicht ſchwer zu begreifen, zu ordnen und in ſeiner Wechſelbeziehung zu ein⸗ ander zu überſehen, was in einem gegliederten Zuſammenhange ſteht, wo das Ein⸗ zelne als Theil des größeren Ganzen erſcheint, wo Alles organiſche Bedeutung und Beſtimmung hat. Die Elementar⸗ und Bürger⸗Schule haben in der Religion, die Gymnaſten in dem klaſſiſchen Alterthume dieſen Mittelpunkt ihres Unterrichtes ge⸗ funden, in welchem die ganze, an allen übrigen Lehrgegenſtänden gewonnene Bil⸗ dung gleich wie in einem Brennpunkte zuſammenſtrömen, und in ihrer Geſammt⸗ kraft zur Erſcheinung kommen muß. Für die Realſchule kann dieſer Mittel⸗ und Einigungspunkt des Unterrichts, in welchem die höchſte Blüthe der Bildung zur Entfaltung kommt, nur der Unterricht in der Mutterſprache ſein, d. h. die Einfüͤh⸗ rung des Schülers an der Hand der Mutterſprache in das höchſte, geiſtige Leben des Volks, dem er angehört. Wie demnach in der Volksſchule Religion die Angel iſt, um welche der ganze Unterricht ſich dreht, wie in den Gymnaſten das in ihrer Sprache ſich ſpiegelnde, geiſtige Leben der Griechen und Roͤmer den Kern bildet, an welchen die übrigen Lehrgegenſtände ſich anlegen; ſo muß in der Realſchule Alles, was gelehrt und gelernt wird, an den deutſchen Sprachunterricht ſich anſchließen, in ihm ſeinen Beziehungs⸗ und Haltpunkt finden. Nur dadurch wird für den Schüler ein innerer Zuſammenhang in die verſchiedenartigen Lehrgegenſtände ge⸗ bracht, nur dadurch wird er ihr Ineinandergreifen und ihre wechſelſeitige Unter⸗ ſtützung kennen und den Unterricht als ein geordnetes, nach einem Ziele hinſtreben⸗ des Ganze auffaſſen lernen. 4 4


