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Wiſſen und Koͤnnen ſich fand, muß mehr und mehr ausgefüllt und Aufklärung des Verſtandes zugleich mit Veredlung des Charakters in immer weiteren Kreiſen ver⸗ breitet werden. Damit iſt der Realſchule ihre Aufgabe geſtellt. Sie ſoll ihren Schuͤlern die nöthige Geiſtesgewandtheit und alle diejenigen Kenntniſſe und Fertig⸗ keiten gewähren, welche den gebildeten Menſchen, weß Standes und Geſchäftes er auch iſt, vor anderen auszeichnen, und ſie darin ſo weit foͤrdern, daß ſie im Stande ſind, jene in der Schule erworbenen Kenntniſſe fortan neben den Beſchäftigungen des praktiſchen Lebens entweder ſelbſt zu erweitern, oder in eine der obengenannten, hoheren Fachſchulen einzutreten. Sie iſt demnach vorzugsweiſe die Vorbereitungs⸗ ſchule des gebildeten, tüchtigen Bürgers und Geſchäftsmannes und muß ihn in den Stand ſetzen, als Familienvater einem ausgedehnten Hausweſen oder größeren Geſchäfts⸗ betriebe mit Kenntniß und Klugheit vorzuſtehen und als Glied der Gemeinde auch deren Angelegenheiten mit Klarheit zu überſehen, mit Umſicht zu beurtheilen und mit Einſicht zu berathen. Dazu iſt nicht nur eine gründliche, ſondern auch eine viel⸗ ſeitige Ausbildung erforderlich, und die Realſchule kann daher noch weniger als das Gymnaſium als Schule eines einzelnen Standes oder beſtimmten Berufes angeſe⸗ hen werden. Sie hat einen noch allgemeineren Wirkungskreis auszufüllen, eine noch weit vielſeitigere Bildung als jenes zu ertheilen. Ein Jeder, dem geiſtige An⸗ lagen es möglich machen, eine höhere Ausbildung zu erſtreben, und dem äußere Verhältniſſe es geſtatten, längere Zeit darauf zu verwenden, ohne daß er Luſt und Neigung hat, ſich einem der vier Fakultätsſtudien zu widmen, muß in ihr eine wiſ⸗ ſenſchaftliche Bildung erlangen können. Sie iſt daher, wie das Gymnaſtum, ein wiſſenſchaftliches Inſtitut, das zu den höchſten, erreichbaren geiſtigen Vollkommen⸗ heiten anleitet und gleich ihm denſelben Zweck verfolgt, die eigenthümlichen Natur⸗ anlagen des jungen Menſchen durch angemeſſene Bildungsmittel allſeitig zu entfal⸗ ten, dem Geiſte durch Wiſſenſchaſt und Kunſt eine Richtung auf das Höhere, Gött⸗ liche zu geben und das Gemüth durch das Wahre, Schöne und Gute zu veredlen, mithin den Menſchen im Menſchen auszubilden, ihn im ganzen Sinne des Wortes zu humaniſiren.
Wenn auch die Realſchule die allgemeine Bildung an folchen Unterrichtsſtof⸗ fen zu gewinnen ſucht, die zugleich poſſitive Kenntniſſe für den künftigen Beruf zu⸗ führen, ſo kann ſie der obenerwähnte Vorwurf, als bereite ſie auf den einen oder den anderen ſpeciellen Beruf vor, ſtatt allgemeine Bildung zu geben, ebenſowenig treffen, als das Gymnaſium, das ja auch mit Rückſicht auf die künftige Beſtim⸗ mung ſeiner Schüler ſeinen Bildungsſtoff auswählt. Dadurch, daß ſie zu den bei Weitem meiſten Berufsarten bildſam macht und neben dieſer Anſtelligkeit auch die innere Haltung einer durch Zucht und Lehre geläuterten und befeſtigten Geſinnung gibt, daß ihre Bildung nicht auf mechaniſchen Uebungen und geiſtloſen Fertigkeiten deruht, ſondern auf einem geordneten Wiſſen und einem der Gründe ſich bewußten Können, was den Geiſt frei machen und zu Ideen erheben ſoll, iſt ihr der Charak⸗ ter einer Schule für allgemeine Menſchenbildung hinreichend aufgedrückt.
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