Aufsatz 
Über Zweck, Einrichtung und Notwendigkeit der Bürger- und Realschulen
Entstehung
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dagegen, deren Zöglinge mit ihrer künftigen Thätigkeit ſich mehr der materiellen Außenwelt zuwenden, größtentheils ſie durch Wiſſenſchaft und Kunſt dereinſt umzu⸗ geſtalten ſuchen und dafür in dem Wirken der Natur gleichſam ihr Ideal finden, haben die Naturwiſſenſchaften und die Mathematik in ihrem Bildungsſtoffe hervor⸗ zuheben, da dieſe uns mit ihren auf Materie, Raum und Zahl gegründeten Erſchei⸗ nungen die höchſte Vollkommenheit des unendlichen Weltgeiſtes zur Anſchauung und Erkenntniß bringen. Dieſe zweite Abtheilung der höheren Unterrichtsanſtalten, die Realſchule, ſoll in dem Folgenden noch etwas näher betrachtet werden.

Bis in die neuere Zeit ſuchten die meiſten jungen Leute, welche ſich der ra⸗ tionellen Landwirthſchaft, dem Fabrikweſen, dem Kaufmannsſtande, dem Bau⸗, Berg⸗, Hütten⸗ und Poſtfache, oder irgend einem Zweige der Staatsverwaltung widmeten, der nicht gerade die Bildung durch eine der vier Fakultäten erfordert, die allgemeine Vorbereitung dazu gewöhnlich auf den Gymnaſien ſich zu erwerben. Dieſe Vorbil⸗ dung konnte jedoch nach der darauf nicht berechneten Einrichtung dieſer Lehranſtal⸗ ten, die noch dazu wegen drängender Zeit meiſtens ſchon in den unteren Klaſſen wieder verlaſſen wurden, nur ſehr mangelhaft ausfallen. Durch den zu frühen Austritt kam der Unterricht zu keinem Abſchluſſe. Viele Zeit und Anſtrengung waren auf Gegenſtände verwendet worden, die dem künftigen Berufe des Schülers ganz fern lagen, und deren formale Bildungskraft ſich nicht einmal in vollem Maße wirkſam zeigen konnte, weil das Stückwerk des Unterrichts eine Halbheit herbei⸗ führte, die den Schüler ſeine Kraft nicht kennen, viel weniger gebrauchen lehrte.

Jetzt, wo die Anforderungen in Mathematik, Naturwiſſenſchaften und neueren Sprachen, gerade in den Unterrichtsgegenſtänden, welchen das Gymnaſium nach ſei⸗ nem ganzen Lehrplane nur eine untergeordnete Stellung anweiſen kann, an einen Jeden, der in obengenannten Berufsthätigkeiten Etwas leiſten will, noch bedeutend geſteigert worden ſind, können die Gymnaſten dieſen jungen Leuten noch weniger eine zweckmäßige, ihrem künftigen Beruf entſprechende Vorbildung ertheilen, und die Realſchule iſt dadurch, wie das Gymnaſtum, eine unabweisbare Forderung unſerer Zeit, ein Bedürfniß für jeden groͤßeren Bezirk, beſonders für alle größere, gewerb⸗ und handeltreibende Städte geworden. Die früher auf einen kleinen Kreis von Auserwählten beſchränkte, wiſſenſchaftliche Bildung hat aufgehört das Vorrecht ei⸗ nes beſonderen Standes zu ſein. Ein Jeder aus dem Volke, der Fähigkeit und Mittel dazu hat, ſucht ſein Recht und ſeinen Theil daran ſich zuzueignen. Allge⸗ mein hat man es anerkannt, daß nur durch die Verbindung des Wiſſens mit dem Können, der Einſicht mit der Geſchicklichkeit das Ziel zu erreichen iſt, nach welchem vein Volk in ſeiner Bildung ſtreben muß, um alle geſchäftige Thätigkeit immer mehr zur freien, thätigen Kunſt zu erheben, und laut fordert die zu hoͤherer Reife ge⸗ langte Erkenntniß des Volks eine größere und ſorgſamere Berückſichtigung des buͤr⸗ gerlichen Lebens in allen ſeinen Verhältniſſen von Seiten des öffentlichen Unter⸗ rrichts, ſtatt der bisherigen, einſeitigen Begünſtigung eines einzelnen Standes, weil nur dadurch das Leben eine höhere, veredelte und ſittliche Geſtalt gewinnen kann. Die Kluft, welche bisher ſo häufig zwiſchen Theorie und Anwendung, zwiſchen