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welchen die freie Selbſtthätigkeit des Geiſtes ſich zu regen und zu entwickeln beginnt, und der Charakter ſich bilden und befeſtigen ſoll, und dennoch ſind die meiſten jun⸗ ben Leute gerade in dieſem Alter groͤßtentheils ſich ſelbſt und dem Zufalle über⸗ laſſen.
Mit der Elementar⸗, Bürger⸗ und niederen Gewerb⸗Schule iſt der Kreis der Volksſchulen abgeſchloſſen. Ihrer ganzen Einrichtung und der darauf verwende⸗ ten Zeit nach können dieſe Anſtalten die allgemeine Ausbildung nicht gewähren, welche in den Stand ſetzt, dereinſt einem großeren, techniſchen Gewerbe mit den jetzt dazu erforderlichen Kenntniſſen vorzuſtehen, oder ein complicirtes Ganze, bei welchem es darauf ankommt, allgemeine Geſichtspunkte feſtzuhalten und zu verfolgen, mit Einſicht und Ueberſicht zu leiten, überhaupt auf jene wahre Bildung Anſpruch zu machen, welche nur durch Wiſſenſchaft und Kunſt erreicht wird und nicht nur zu allen höheren Thätigkeiten in der menſchlichen Geſellſchaft befähigt, ſondern an und für ſich ſelbſt etwas Edles iſt und ſchon in ſich ihren Werth trägt. Nur durch eine der Würde des Menſchen entſprechende und in der Natur ſeines Weſens be⸗ gründete, höhere, geiſtige Bildung kann dieſer Standpunkt erreicht werden, und dazu ſollen die höheren Schulanſtalten oder die Gelehrtenſchulen, die nach dem darin zu Grunde gelegten Unterrichtsſtoff in Realſchulen und Gymnaſien zerfallen, die nöthige wiſſenſchaftliche Vorbildung geben. In ihnen ſollen alle in dem Zögling liegende Anlagen durch Vorführung der Ideale des Wahren, Schönen und Guten zu einer harmoniſchen Entwickelung gebracht werden. Zum Bildungsſtoffe können, da der menſchliche Geiſt von dem Standpunkte der Wiſſenſchaft und Kunſt nicht weniger auf die Erforſchung der Natur als auf die Erforſchung ſeines eignen Innern hin⸗ gewieſen iſt, ebenſowohl die Offenbarungen des Gottesgeiſtes in den Gebilden und ewigen Geſetzen der Natur dienen, als die Erſcheinungen des Menſchengeiſtes in ſeinen höchſten Ideen, wie ſie in dem Sprachſchatze der gebildetſten Volker nie⸗ dergelegt ſind, und der beſte Unterricht würde der ſein, welcher beide Stoffe gleich⸗ mäßig benutzte und alle Wiſſenſchaften und Künſte in vollſtändiger Ausdehnung umfaſſend die größte Allſeitigkeit mit der höchſten Einheit des Zwecks vereinigte. Doch die Kürze der Bildungszeit macht es uns nicht möglich, das ganze Gebiet dieſes unermeßlichen Stoffes in allen ſeinen Theilen gleichmäßig zu durchwandern, und nöthigt uns, nach dem künftigen, ſpecielleren Berufe des Schülers bald mehr dem einen, bald mehr dem anderen dieſer Bildungsſtoffe uns zuzuwenden, ohne daß jedoch der wechſelſeitigen Ergänzung wegen einer von ihnen ganz ausgeſchloſſen werden dürfte.
Die Gymnaſien, für deren Zöglinge das ihrem künftigen Berufe vorſchwe⸗ bende Ideal aus dem inneren Geiſtesleben des Menſchen hervorgeht, haben da⸗ her mit Recht den Sprachunterricht, aus bekannten Gründen den Unterricht im La⸗ teiniſchen und Griechiſchen, als überwiegenden Lehrſtoff ihrer Ausbildung zum Grunde gelegt, da die Sprache als Trägerin aller Wiſſenſchaft und der geiſtigſten der Künſte die höchſte Entwickelung des Menſchengeiſtes darlegt. Die Realſchulen


