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len Thätigkeit und die techniſche Vervollkommnung der Gewerbe, ſowie die ſteigende Concurrenz nöthigen ſelbſt den Handwerksmann einen höheren Standpunkt aufzu⸗ ſuchen als bisher. Die niedere, gewerbliche Thätigkeit reicht ohne Kenntniß der Reſultate unſerer wiſſenſchaftlichen Fortſchritte nicht mehr aus und bedarf daher einer tieferen, allgemeinen Bildung wie früher. Außer der Geſchicklichkeit der Hand, die immer noch überwiegend bei ihr vorherrſcht, verlangt ſie vielerlei Kenntniſſe und vor Allem gewecktes Nachdenken und überlegende Umſicht, wozu die Schule ſchon frühzeitig den Grund legen und die nöthige Anleitung geben muß. Dieſes iſt die Aufgabe der Bürgerſchule, welche, wie aus dem Geſagten hervorgeht und ſchon ihr Name andeutet, für alle gewerbtreibende, kleinere und größere Städte Beduͤrf⸗ niß iſt. Sie iſt die Vorbereitungsſchule für alle diejenigen, welche wegen beſchränk⸗ ter Zeit oder mangelnder Hilfsmittel den Beruf und die Subſiſtenz zu frühe ins Auge faſſen müſſen, als daß ſie eine wiſſenſchaftliche Ausbildung ſich zu eigen ma⸗ chen können, aber dennoch ihr Handwerk mit Nachdenken und Ueberlegung betrei⸗ ben und nicht zu einem geiſtloſen Mechanismus herabſinken wollen. Sie muß da⸗ her den Geiſt ihrer Schüler mit für das Leben brauchbaren Kenntniſſen nähren, nicht anfüllen, und praktiſche Anſtelligkeit, nicht mechaniſche Fertigkeit ihrer Zöglinge ſich zum Ziele ſetzen.... Da von einem tiefen, theoretiſchen Unterricht in dieſer Schule der beſchränk⸗ ten Zeit und Mittel wegen keine Rede ſein kann, ſo ſind auch ihre Lehrgegenſtände noch wenig von denen der Elementarſchule verſchieden, und es möchten nur Mathe⸗ matik, Naturbeſchreibung und populäre Naturlehre hier eine etwas weitere, vorzugs⸗ weiſe auf das Praktiſche gerichtete Ausdehnung erhalten müſſen, als dort, und Zeichnen zuzuſetzen ſein. Im Allgemeinen laſſen ſich die Lehrgegenſtände der Bür⸗ gerſchule, ihr Umfang und ihr Verhältniß zu einander nicht genau beſtimmen, weil dabei jedestaal auf die Eigenthümlichkeit und die Bedürfniſſe der betreffenden Stadt und des zahlreichen Mittelſtandes, dieſes eigentlichen Kerns des bürgerlichen Ge⸗ meinganzen, Rückſicht genommen werden muß. Durch die Exweiterung und Vermehrung der Lehrgegenſtände werden auch einige Unterrichtsſtunden mehr erfordert werden als in der Elementarſchule; aber nicht in den vermehrten Lehrgegenſtänden, nicht in den zugeſetzten Schulſtunden iſt der größere Erfolg ihres Unterrichts vor dem der Elementarſchule zu ſuchen, viel- mehr in der höheren Tüchtigkeit ihrer Lehrer in Beziehung auf Kenntniſſe, Methode und Lehrtakt, in der gründlicheren Behandlung des Lehrſtoffes und ganz beſonders in einer nicht zu ſtarken Schülerzahl und einjährigen Klaſſenkurſen. Die Schülermenge einer Klaſſe darf in dieſer Schule die Zahl 40 nie überſteigen. Nur da⸗ durch wird es dem Lehrer möglich, die Individualität des einzelnen Schülers zu berückſichtigen, ſeine Aufmerkſamkeit in der Schule und ſeinen Fleiß zu Hauſe ge⸗ chörig zu überwachen, dem Schwachen nachzuhelfen, den Nachläſſigen anzuhalten und die nöthigen, ſchriftlichen Korrekturen genau und hufis gen vorzunehmen. Mit beſtändiger Beziehung auf die Anwendung im Leben muß nämlich der Schüler hier


