Aufsatz 
Über Zweck, Einrichtung und Notwendigkeit der Bürger- und Realschulen
Entstehung
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fuͤhren, auf welcher ſie ihre bis dahin geſammelten Kenntniſſe und geübten Kräfte mit voller Freiheit anwenden können und des Umfangs und der inneren Gliede⸗ rung derſelben ſich bewußt ſind. Dieſe erreichte Höhe kann dann wieder der An⸗ fangspunkt werden, um von ihm aus einen noch höheren Standpunkt zu erſtreben,.

Sowohl die Volks⸗- als die Gelehrten⸗Schulen geben entweder eine ganz all⸗ gemeine Menſchenbildung, oder ſie bereiten auf beſtimmte, einzelne Berufsarten vor und zerfallen dadurch, jede in zwei Hauptabtheilungen, in Schulen für allgemeine Bildung und in Special⸗ oder Fach⸗Schulen. In der Volksſchule geben die Elemen⸗ tar⸗ und Bürger⸗Schulen jene allgemeine, die niederen Gewerbsſchulen die Fach⸗ oder Berufsbildung. In den Gelehrtenſchulen ſind die Realſchulen und die Gymnaſien, welche beide diefelbe Aufgabe haben, das jugendliche Gemüth durch wiſſenſchaftliche Vorbildung für die höchſten Ideen empfänglich zu machen, und nur auf verſchiede⸗ nen Wegen ihr Ziel zu erreichen ſuchen, die Anſtalten für allgemeine Bildung. Progymnaſien, Pädagogien und ähnliche Inſtitute, welche ihre Schüler den Gymna⸗ ſien oder Realſchulen zuführen, können nur als integrirende Theile derſelben ange⸗ ſehen und hier nicht als ſelbſtſtändige Schulen aufgeführt werden, da ſie die Bil⸗ dung ihrer Zöglinge nicht zu dem obenerwähnten Abſchluſſe bringen. Als Berufs⸗ oder Fach⸗Schulen ſchließen ſich an die Realſchule die höheren Gewerb⸗ oder polytech⸗ niſchen Schulen, wie landwirthſchaftliche Schulen, Forſt⸗, Handels⸗, Bau⸗, Berg⸗, Militär⸗Schulen u. ſ. w., an das Gymnaſium die auf der Univerſität vereinigten vier Fakultäten..

Die Clementarſchule iſt die Vorbereitungsſchule für die große Menge von Staatsbürgern, welche vorzugsweiſe durch ihrer Hände Arbeit dem Boden ſeine Natuterzeugniſſe abgewinnt und deren rauheſter oder doch größtentheils mechaniſcher Bearbeitung ſich unterzieht. Sie übernimmt das Kind mit dem vollendeten 6ten und entläßt es mit dem zurückgelegten 14ten Jahre. Die Vorbildung zu deſſen künftigem, einfachen Berufe iſt damit abgeſchloffen, und alle weitere Fortbildung muß bei den meiſt ärmlichen Verhältniſſen der Aeltern dem praktiſchen Leben überlaſſen werden. Ziel, Unterrichtsgegenſtände und Lehrmethode dieſer Schule, worüber die Verordnungen unſeres Schulorganiſationsediktes vom Jahr 1817 im Ganzen im⸗ mer noch als Muſter gelten können, übergehe ich hier als außer meinem Plane liegend. 2 2 2 211 1u3.. 7 4 Mit den Kenntniſſen und der geiſtigen Gewandtheit, welche die Elementar⸗ ſchule in ihren gewöhnlich überfüllten oder aus Kindern von ſehr ungleichem Le⸗ bensalter und ſehr verſchiedener Verſtandesreife beſtehenden Abtheilungen in der Re⸗ gel zu geben im Stande iſt, kann eine zweite Klaſſe von Staatsbürgern, der zahl⸗ reiche Stand der Handwerker, heut zu Tage ſich nicht mehr begnügen. In allen Gebieten der Technik iſt, wie ſchon oben bemerkt wurde, durch den Fortſchritt der Naturwiſſenſchaften und ihrer mit Mathematik verbundenen Anwendung auf das praktiſche Leben an die Stelle der früher empiriſchen, oft geiſtloſen Praktik ein ra⸗ tionelles Verfahren getreten. Der dadurch erweiterte Ideenkreis aller induſtriel⸗