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keine Worte, der Begriff cines Ausdruchs erleidet keine Veränderung, und Werke, die in ihr vor Jahrhunderten geschrieben sind„ geben noch heute genau den Gedanken ihres Verfassers wieder. Diese Eigenschaften scheinen allerdings eine todte Sprache vor jeder lebenden zu empfehlen; aber gerade dieses Feststehende, dieses Abgeschlossene, wodurch sie sich empfiehlt, möchte ein Hauptgrund zu ihrer Verwerfung sein. Neue Begriffe, neue Ideen erfordern auch neue Worte, neue Verbindungen, und lassen sich in der Sprache eines Volkes, das sie noch nicht kannte, entweder gar nicht, oder nur sehr unvollkommen ausdrücken. Wir leben in einer ganz andern Welt als die Alten; ihre Sprache kann daher nicht ausreichen, um das, Was unser geistiges Leben hervorbringt, mit allen seinen Schattirungen zu bezeichnen. Dieses kann nur die Muttersprache, und ihr zunächst eine sol- che Sprache, die durch gleichmässige Bildung der ganzen Denkweise des sie redenden Volkes ihr nahe steht. Die Sprachen der neueren Völker,
die mit uns einen ähnlichen Bildungsgang gemacht haben, schliessen sich
daher unsern Begriffen und Ideen weit mehr an, als das Lateinische und Griechische..
— Die Abweichung der heutigen Cultur von der des Alterthums wird frei- lich zuweilen tadelnd mit dem Namen des Neueuropäismus bezeichnet. Soll dieses aber wirklich ein Vorwurf sein, so darf damit nicht die Verschie- denheit unserer Bildung von der der alten Griechen und Römer bezeichnet Werden, sondern eine an sich und für unsere Zeitverhältnisse fehlerhafte Richtung unseres Culturganges. Denn so zu denken, so zu empfinden, so zu handeln, wie es der durch alle innere und äussere Verhältnisse unseres Lebens hervorgerufenen Denk- und Empfindungsart angemessen ist, fordert die Natur. Thun wir es nicht, so setzen wir uns mit unserer ganzen Lage in Widerspruch. Weil nun die Sprache in allen ihren Wäörtern und Ver- hindungen das treueste Abbild der Denk- und Empfindungsweise eines Vol. hes ist, so handeln schon dicjenigen nicht mehr naturgemäss, welche in Ja. teinischer Sprache über Gegenstände schreiben, deren Fort- und Ausbil. dung erst der neuern Zeit aufbehalten war. Wie schwer füällt es ihnen auch meistens in dem ihrer Zeit so fern liegenden Sprachidiom ihre Gedau,


