Aufsatz 
Welche Stelle ist dem Unterrichte in der Muttersprache auf den deutschen Gymnasien einzuräumen? / von Wilhelm Karl Lex
Entstehung
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ken darzustellen, oder zu welchen barbarischen Worten werden sie gezwun- gen, die kaum mehr Latein zu nennen sind.

So geht der wirkliche Vorzug, den eine todte Sprache als allgemeines Verständigungsmittel hat, zum Theil wieder verloren. Auch erleiden selbst in ihr nach dem Geist der verschiedenen Jahrhunderte die einzelnen Wäör- ter Veränderungen in den ihnen untergelegten Begriffen, andere werden neugebildet oder in ungewöhnlichen Satzfügungen zusammengestellt. In frü- herer Zeit, als man sich durch die von den Alten uns hinterlassenen Werke heranbildete, genügte die lateinische Sprache dem Bedürfnisse. Die rohen, unwissenden Völker arbeiteten sich erst zu dem Standpunkte hinauf, den die Römer schon erreicht hatten, fanden daher auch für das, was sie sich aneigneten, alle Bezeichnungen in der Sprache, konnten sogar deutlicher und bestimmter sich darin ausdrücken, als in ihrer eignen, welche, wie schon oben erwähnt worden ist, bei dem ganzen Volke nicht in den raschen Fortschritten sich vervollkommnete, mit denen diese Männer in dem aufgo- schlossenen Felde voraneilten. Sie machten in den Wissenschaften die- mische Sprache zu ihrer Muttersprache, denn das lateinische Wort war bei ihnen oft das erste Zeichen für den Begriff. Dass sie daher in der fremden Sprache sich ausdrückten, war nicht gegen die Natur. Wenn auch hin und wieder dem Zeichen ein etwas veränderter Degriff untergelegt wurde, so konnte das unter der noch Ileinen Zahl von Gelehrten keine Veranlassung zu Missverständnissen geben, da Schriftwerke überhaupt nicht sehr verbrei- tet waren und man sich leicht in die Eigenthümlichkeit des Ausdrucks eini- ger Wenigen fand. Jetzt sind die Verhältnisse anders geworden. Die mei- sten Wissenschaften haben die zum Theil schr engen Grenzen, in welche sie bei den Alten eingeschlossen waren, überschritten, und die Bildung ist nicht mehr das ausschliessliche Eigenthum eines besonderen Standes, son- dern verbreitet sich durch die Buchdruckerpresse über das ganze Volk.

Der Grund, der lateinischen Sprache als formalem Bildungsmittel in un- sern Gelchrtenschulen vor der Muttersprache desswegen den Vorzug zu geben, weil sie Gelehrtensprache sei und bleiben müsse, möchte demnach nicht von