3) Sei wenigstens das Lateinische die allgemein verständliche Sprache der
Gelehrten aller Nationen, und 4) Schöpfe man aus den Schriften der beiden gebildetsten Völker des Alter-
thums einen unermesslichen Schatz von Renntnissen aller Art.
Was den ersten Punkt betriſft, so soll das Alterthum„ in welches wir durch die alten Sprachen eingeführt werden, dem Rnaben und Jünglinge als das Jugendalter der Menschheit näher liegen, wie unsere Zeit. Die an- geführte Vergleichung ist zwar schön und in mancher IHinsicht treffend, ist aber doch immer nur ein Bild. Man überseche dabei nicht, dass, wenn wir im Mannes- oder Greisenalter des Menschengeschlechtes lehen, auch unsere Jugend in diesem Alter. geboren wurde und nothwendig den Charakter des- selben um so mehr in sich aufnehmen muss„‚ je empfänglicher sie überhaupt für jeden Eindruck ist. Das richtige Auflassen des Alterthums, so einfach, hestimmt und enghegrenzt seine Verhältnisse zum Theil wirklich sind, fällt daher dem Schüler nicht so leicht, als es bei dem ersten Anblick erscheint.
Alle Ideen jener Zeit liegen ihm bei seiner beschränkten Begriffswelt, die er sich nur aus seiner nächsten Umgebung bilden konnte, viel zu fern und müs- sen, wenn sie auch mit seinem kindlichen Geiste und Gemüthe in Einklang stehen, erst durch Erweiterung und Kusbildung seiner Vorstellungen und Be- griffe geweckt und veranschaulicht werden. Dazu wird aber kein Unter. richtsgegenstand geeigneter sein, als die Muttersprache und diese desswegen mit dem Griechischen und Lateinischen Hand in IHand gehen müssen. Einen Beweis, dass das Alterthum die Jugend nicht mehr anspricht, als das Man- nesalter, dürften wir wohl auch darin finden„ dass die durch klassische Stu- dien Gebildeten die Schönheiten der alten Musterwerke meistens erst dann in ihrer ganzen Fülle. empfinden, wann sie in späteren Jahren Geistesslärke genug besitzen, sich aus den sie umgebenden Verhältnissen wegzudenken, um gleichsam mit und unter den Griechen und Römern zu leben.
Es würde ferner eine Bildung allein im Sinne und Geist des Alterthume die Schüler zu sehr in einc ideale Welt versctzen, die häufig mit der schrof- fen Wirklichkeit des täglichen Lebens und seinen tausend unahwveisbaren Eindrücken in Widerspruch stünde. Durch einen Lchrstoff, der sich an die


