Aufsatz 
Die Pflichtforderung pädagogischer Allseitigkeit konzentriert sich im Religionsunterrichte
Entstehung
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der Pfarrkirche, Konzert und Redeact im Prüfungsſaal des Seminars und geſellige Unterhaltung in einer Gartenwirthſchaft. Die Grundgedanken in der Feſtrede des Direktors waren: Fortſchritt iſt heute das Loſungswort ſo Vieler, aber die Anſichten hierüber ſind gar verſchieden. Es gibt einen Fortſchritt zum Guten und einen Fortſchritt zum Böſen, einen Fortſchritt zum Auf⸗ und Ausbauen und einen Fortſchritt zum Umſtürzen und Niederreißen: Die Anhänger beider Arten wiſſen, was ſie wollen. Neben dieſen beiden Arten gibt es eine dritte, einen Fortſchritt im Nebel, der weder Ziel noch Wege klar kennt, ſondern nur der Mode wegen mit⸗ tappt, aber viele Anhänger zählt. Für die Schüler des Seminars iſt das Muſter des Fortſchrittes der 12jähr. Jeſu im Tempel und dann zu Nazareth, der zunahm an Weisheit und Alter und Gnade bei Gott und den Menſchen. Fäür den Mann gibt es immer einen religiöſen Fortſchritt, der zum Himmel führt und einen Fortſchritt im Verhältniß zu ſeinen ihm gleich⸗ ſtehenden Mitmenſchen, die er lieben ſoll als ſeine Nächſten; einen Fortſchritt im Verhältniß zu ſeinen Untergebenen, denen er ein echtes Vorbild der Nachahmung ſein ſoll; einen Fort⸗ ſchritt im Verhältniß zur Obrigkeit, worüber der Apoſtel im Römerbrief belehrt.

Das Seminar gab in dieſem Schuljahre zwei Konzerte, eins in Limburg und eins dahier. Der Dombauverein zu Limburg hatte am 2. Juli 1865 ſich an die hieſige Seminardirektion mit dem Erſuchen gewendet, es möchte durch die Zöglinge des Seminars am 15. Auguſt ein Konzert zum Beſten der Dombauvereinskaſſe zu Limburg gegeben werden. Da H. Landes⸗ regierung ausnahmsweiſe es genehmigte, ſo wurde das Konzert am 15. Auguſt gegeben. Im Hochamt dieſes Tages ſangen die Seminariſten eine lateiniſche Meſſe. Das zweite Konzert wurde dahier am 28. Januar 1866 gegeben, und war der Ertrag zur Hälfte für arme Erſt⸗ kommunikanten der Stadt, zur Hälfte für die Adolphſtiftung für Lehrerwaiſen beſtimmt. Beide Konzerte hatten nach Auswahl und Ausführung der Muſik⸗, Geſang⸗, und Deklamationsſtücke ſich eines allgemeinen Beifalls zu erfreuen.

Dem Turnunterricht hat H. Landesregierung eine erhöhte Sorgfalt zugewendet. Im November v. J. hat H. Kollaborator Weldert von Wiesbaden im Auftrage H. Landes⸗ regierung von unſerer Turneinrichtung Einſicht genommen und dieſelbe in ſeinem Berichte vom 16. November für unzureichend erklärt und darin ganz beſonders den auch von mir wieder⸗ holt beklagten Mangel eines Lokals für das Turnen im Winter hervorgehoben. Auf die von H. Weldert geſtellten Anträge iſt bis jetzt noch keine Entſchließung gefolgt.

Am 10. Dez. 1865 geruheten J. J. HH. der Herzog und die Frau Herzogin nebſt hohem Gefolge die Räume des Schloſſes in Augenſchein zu nehmen, dann im Prüfungsſaale einige Geſänge und Deklamationen anzuhören und die aufgelegten Schreib⸗ und Zeichenproben zu betrachten. JJ. HH. ſprachen Ihre volle Zufriedenheit mit den Leiſtungen der Schüler und der Thätigkeit des H. Meiſter aus., Am Schluß geruhten S. Hoheit dem Direktor als Anerkennung treuer Dienſtführung das Ordenskreuz IV. Kl. Höchſtihres Militär⸗ und Civil⸗ Verdienſt⸗Ordens Adolphs von Naſſau Höchſteigenhändig zu uͤberreichen. Der ehrfurchtsvollſte Dank, den der Direktor S. Hoheit ſogleich ausſprach und am anderen Tage in einer Privat⸗ audienz wiederholte, wird in demſelben ſtets lebendig bleiben.

Am Abend des 10. Dez. brachten die Buürgerſchaft, der Männergeſangverein, der Muſik⸗ verein und das Seminar JJ. HH. vor dem Naſſauer Hof ein Ständchen mit Fackelzug. In das von dem Seminardirektor ausgebrachte Hoch auf JJ. HH. ſtimmte die überaus zahlreich verſammelte Menge begeiſtert ein und bekundete ſo die treue Anhänglichkeit an das angeſtammte Regentenhaus und die innige Freude über Sr. Hoheit unſers gnädigſten Herzogs wiederholte und Ir. Hoheit unſerer gnädigſten Frau Herzogin erſte Anweſenheit in hieſiger Stadt.

Noch einer andern Auszeichnung, die dem Berichterſtatter zu Theil geworden, darf derſelbe wohl hier erwähnen, obgleich die Mittheilung ins Ende des vorigen Schuljahres fallt, da ſie

erade deßhalb im vorjährigen Programm nicht angeführt werden konnte. Sr. Heiligkeit Papſt Pius IX. geruhten den Unterzeichneten durch Breve vom 31. März 1865 zum Ritter des St. Gregoriusordens zu ernennen.

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