Aufsatz 
Die Pflichtforderung pädagogischer Allseitigkeit konzentriert sich im Religionsunterrichte
Entstehung
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Wie endlich ſteht es mit der intellektuellen Erziehung im Verhältniſſe zur religiöſen? Wer eine intellektuelle Zucht negiren wollte und behaupten möchte, das einzige intellektuelle Culturmittel ſei nur Unterricht, der würde beweiſen, daß er die menſchliche Natur, insbeſondere die des Kindes nicht verſteht. Selbſt bei der intellektuellen Bildung der Jugend, ſeis bei der formalen, ſeis bei der materialen, thuts der Unterricht allein nicht. Fleißige Anſtrengung, um⸗ faſſender und allſeitiger Gebrauch der Verſtandeskräfte ſind weſentlich ſchon Reſultate früheſter Gewöhnung; und hundert Lehrer, die im Unterrichten grade nicht ſonderlich excellirten, erſetzten ihr didaktiſches Unvermögen an den Kindern durch intellektuelle Zucht.

Die intellektuelle Erziehung will und ſoll das geſammte Erkenntnißvermögen oder den Verſtand der Kinder an ein uneigennütziges, fleißig⸗aufmerkendes, angeſtrengt fortſchreitendes, regelrechtes Streben nach allſeitiger und richtiger Erkenntniß, d. h. nach Wahrheit, gewöhnen, ſodaß in Folge deſſen ein raſcher, leichter, erfolgreicher und immer fehlerloſerer Gebrauch der Denkkräfte, und alſo ein ſtets reicherer Schatz von Wahrheiten, von treuen Spiegelbildern des Daſeins das Eigenthum ihrer reflectirenden Seele werde. Hätte ein Menſchenkind nicht das Licht des Geiſtes, das Ebenbild der höchſten abſoluten Intelligenz, und damit ein intellektuelles Gewiſſen, die Vernunft, in ſich; dann hätte es auch kein Vernehmungsvermögen des letzten Grundes, alſo auch keinen Trieb nach Wahrheit in ſeinem Verſtande, mithin überhaupt gar keine Befähigung für Wahrheitserkenntniß. Der menſchliche Wahrheitstrieb als ſolcher iſt dem⸗ nach ſchon göttlichen Weſens, alſo auch deßwegen ſchon die darauf ſich gründende intellektuelle Erziehung religiöſer Natur. Fragen wir aber weiter: Was iſt denn wahr? und ſehen hier gänzlich ab von Unterſcheidung der abſoluten und relativen, der materialen und formalen, der empiriſchen und rationalen, der logiſchen und metaphyſiſchen, der geſchichtlichen und ideellen Wahrheit; ſo müſſen wir abermal einfach ſagen: Wahr iſt nur dasjenige Spiegelbild der Dinge in unſerer Seele, welches in Gottes Verſtande, vor Gottes Auge nicht anders iſt und dem⸗ gemäß nach ſeiner Beziehung zum Urgrunde im Einzeln und im Ganzen, nach ſeiner Vernünf⸗ tigkeit erkannt iſt. Das volle wahrhaftige Abbild des Daſeins nach der Höhe, Tiefe und Breite, einzeln und im wechſelſeitigen Theil⸗Verhältniß, nach Grund und Wirkung, nach Geſetz und Ordnung, ſo wie nach dem unterſchiedenen Werthe in den mannichfaltigſten Stufenreihen kann ohne den ſchöpferiſchen, erhaltenden und ordnenden Urgrund ſelbſt ſich nie und nirgends in einer Menſchenſeele geſtalten. Gott ſelbſt iſt in allem Daſein, dieweil es ja Sein iſt, alſo auch in jeglichem wahrheitsgetreuen Abbilde des Daſeins, die begründende, teleologiſche und alſo ver⸗ ſtändnißgebende Hauptſache. Nur da, wo Gottes Ordnung und Gottes Abſicht erkannt wird, iſt vernünftige Erkenntniß, nur da, wo in irgend einer Erkenntniß Gott nicht vergeſſen und nicht unerkannt geblieben, iſt Wahrheit. Jede Erkenntniß, die ſich aller und jeder religiöſen Beziehung gänzlich entſchlägt, muß nothwendiger Weiſe abarten im Schein, in Stückwerk, in Oberflächlichkeit, Unfolgerichtigkeit, Unvernunft, Irrthum, Unwahrheit. Man mag alſo die Sache anſehen, wie man will, auch die intellektuelle Erziehung hat religiöſen Nerv, iſt in ihrem Grunde, in ihrem Weſen und in ihrer Abzweckung religiös, und die religiöſe Erziehung kann ohne eine ſorgfältige und allſeitig fortgeſetzte intellektuelle Zucht bei den Zöglingen nimmer erzielt werden. Deßwegen hat aber auch grade der Religionsunterricht durch die gewiſſen⸗