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religiöſer Grundlage, von religiöſer Weſenheit und von religiöſer Abzielung; und gut oder ſitttlichfrei iſt nur, wer willig und gern in Allem den Willen Gottes zu dem ſeinigen macht, oder ſeinen eigenen Willen dem Willen Gottes unterordnet. So wenig wir daher bei der ſittlichen Erziehung der religiöſen entbehren können, eben ſo wenig kann und darf die religiöſe Erziehung die ſittliche überſehen, und ebenſowenig darf der Religionslehrer den Religionsunterricht ertheilen und über Religion begrifflich lehren ohne zugleich den ſittlichen Begriffen und der geſammten Sittenlehre mit paränetiſch andringender Kraft entſchieden Rechnung zu tragen. Hierüber exiſtiren wohl auch kaum irgendwo Zweifel; Alle geben zu, daß die den Kindern zu ertheilenden Religionswahrheiten zu einem ſittlichen Ziele hinauslaufend ertheilt werden müſſen; ja nur zu häufig wurden und werden noch die religiöſen Glaubenswahrheiten um der ſittlichen Zielpunkte willen zum großen Nachtheile der Glaubensgründung vermoraliſirt und verflüchtigt.
Was ferner will und ſoll die äſthetiſche Erziehung? Sie will und ſoll doch zweifels⸗ ohne das gehörig geweckte und gehörig moderirte Gefühls⸗Leben des Kindes dem Schönen, wo es ſich finden mag, weihen, zuwenden, in Dienſt ſtellen, alſo das Wohlgefallen am Schönen und Mißfallen am Häßlichen zur Herrſchaft bringen. Geben wir gründliche und ſtichhaltige, wenn auch einfache, Antwort auf die Frage: Was iſt ſchön? ſo müſſen wir wiederholt ſagen: Schön iſt nur und kann nur ſein, was in irdiſch⸗zeitlicher Geſtaltung unſerm gottebenbildlichen Gefühle, unſerm äſthetiſchen Gewiſſen zuſagt, was unſerm geiſtlich organiſirten Auge und Ohre, unſerm unverkümmerten äſthetiſchen Gefühle angenehm iſt, es harmoniſch und ſeelig befriedigt. Da haben wirs alſo: Schön iſt ebenfalls ein weſentlich religiöſer Begriff; denn nur Göttliches kann demnach ſchön ſein, nur das Gute und das Wahre in anſchaubarer individueller Ausgeſtaltung, und nichts Anderes, iſt ſchön. Unſittliches und Diaboliſches, Unwahres und als unwahr Un⸗ mögliches, Unlogiſches, Urtheilsfalſches, Grundloſes, mathematiſch oder phyſikaliſch Falſches, Zweckwidriges, Verſtandeswidriges kann nie ſchön ſein und trotz aller noch ſo erkünſtelten Darſtellung nie ſchön werden. Nur was Gottes Beifall hat, kann und darf auch des Menſchen Beifall haben und als ſchön des Menſchen Empfindung harmoniſch ſtimmen, beglücken und be⸗ ſeeligen. Alſo iſts offenbar, auch die äſthetiſche Cultur des Menſchen hat weſentlich religiöſen Boden, religiöſes Weſen und religiöſes Endziel. Darum kann aber auch der religiöſe Glaube im Kinde nicht feſte Wurzel faſſen, es ſei denn auf Grund des religiöſen Gefühls, und die reli⸗ giöſe Erziehung nicht anders gedeihen, als im Boden einer recht ſorgſamen und allſeitigen äſthetiſchen Erziehung. Ja die Religion hat ſchon unzähligemal bei zahlloſen Menſchen grade in einer von Jugend auf ernſtlich und ſorgfältig empfangenen guten äſthetiſchen Bildung unter den Verführungen der Welt ihren einzigen Halt oder Rettungsanker gefunden. Auch der Religions⸗ unterricht kann und darf daher der äſthetiſchen Hülfsmittel, der äſthetiſchen Formen und Geſtal⸗ tungen ſich nicht begeben. Bibliſche Erzählungen von hochäſthetiſcher Lieblichkeit, Grazie, Erhabenheit oder Tragik, bibliſche Geſchichte in ſchöner ergreifender Sprache, Glaubens⸗ und Sittenlehre in äſthetiſcher Ausgeſtaltung durch reizende Schilderungen, Exempliſicirungen, Paraboliſirungen und einfach⸗poetiſche Malerei in Gleichniß, Bild und Lied für Sinn, Gemüth und Einbildungskraft; dies und dem Aehnliches muß mit umfaſſender Allſeitigkeit zu einem Elemente des Religions⸗ unterrichtes gemacht werden.


