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aus den beiden religiös gerichteten Factoren des Gefühles und des Verſtandes heraus zu ent⸗ wickeln, damit Selbſtgerechtigkeit und Tugendſtolz verhütet werden. Den angeeigneten äußer⸗ lichen Glaubensmethodismus des Kindes ſuche ſchonend durch tüchtigen Unterricht zu verinner⸗ lichen, mit immer ſtärkeren Doſen bibliſcher Aufklärung auf die Stufe pneumatiſchen Bewußt⸗ ſeins zu erheben und in ein geſichertes lebendiges Chriſtenthum zu verklären. Der Religions⸗ unterricht der Elementarſchule in ſeinen mannichfaltigen Zweigen und Stufen gibt dir die Mittel dazu genugſam an die Hand.
Der chriſtliche Glaube, der das Reich Gottes thatſächlich in der Welt darſtellen und Allem, was Großes und Edles ſonſt noch in der Welt zur Darſtellung kommt, nicht blos eben⸗ bürtig zur Seite ſtehen, ſondern gradezu die höchſte Verklärung geben ſoll, der chriſtliche Glaube hat die Aufgabe in ſich ſelbſt, Gefühls⸗, Verſtandes⸗ und praktiſcher Willens⸗Glaube gleicher Weiſe zu ſein. Grade im Religionsunterrichte laſſe man daher die weisheitsvollſte Toleranz und die umſichtigſte Allſeitigkeit walten; anders wird der Glaube verkümmert und verkrüppelt, anders wird dem Glaubensleben der Kinder Gewalt angethan, denſelben Leidmuth verurſacht, und die Kirche Jeſu auf Erden nicht geſtützt. Aus Gründen des chriſtlichen Glaubens ſelbſt, aus Gründen der heiligen Schrift, aus Gründen der heiligen Geſchichte und der Kirchengeſchichte, aus Gründen des hochheiligen Exempels Jeſu gradezu—, aus theologiſchen Gründen alſo konzentrirt ſich die Pflichtforderung pädagogiſcher Allſeitigkeit im Religionsunterrichte.
III.
Daß das auch aus pädagogiſchen Gründen der Fall iſt, ergibt ſich aus dem bereits Entwickelten faſt von ſelbſt.
Ich bin es mir ſehr wohl bewußt, daß ich hier zunächſt nicht von religiöſer Zucht oder Erziehung im engeren Sinne, ſondern ſpeciell von dem Religionsunterrichte handle, deſſen nächſter Zweck nicht religiöſe Gewöhnung, ſondern lediglich religiöſe Intelligenz iſt. Indeſſen wenn überhaupt aller Jugendunterricht, zumal in der Volksſchule, wo der chriſtlichen Menſchheit chriſtliche Menſchen hergerichtet werden ſollen, nach dem einſtimmigen Urtheile der bedeutendſten Schulmänner erziehlich, d. h. auf gleichmäßige Veredlung des Gefühls und Gemüthes abzweckend, ertheilt werden ſoll, und wenn die von dem Volksſchul⸗Lehrplane umfaßten Lehrgegenſtände alle mehr oder weniger auch veredelnd auf den Sinn und die Gewohnheiten der Kinder einwirken ſollen: So läßt es ſich gewiß von niemand leugnen, daß eine erziehliche Darreichung des Lehrſtoffes vorzugsweiſe im Religionsunterrichte Pflicht iſt, und vorzüglich auch gerade dieſer Unterricht zu einer erziehlichen Einwirkung auf die Schüler geeigenſchaftet iſt. Darüber iſt man ja doch gegenwärtig ſchon aus bloſen Klugheitsrückſichten ziemlich allgemein hinaus, daß der Religionsunterricht nur eine religiöſe Erkenntniß bei den Kindern zu erzielen habe. Kein einſichtsvoller Katechete unſerer Zeit klebt noch an dieſer engherzigen und unpraktiſchen Faſſung der Aufgabe dieſes Lehrzweiges. Pflanzung und Entfaltung chriſtlichen Lebens in den Zöglingen, allerdings freilich zunächſt auf dem Wege des Denkens und Erkennens, das iſt nach geſunder und heilſamer Auffaſſung der Sache der große Zweck des Religionsunterrichtes. Iſt aber das ſein Zweck, dann iſt damit auch die pädagogiſche Bedeutung deſſelben genugſam


