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glaube unvermerkt und allmählig ſoviele Klärung, ſoviel Zuſammenhang und ſoviel Begründung empfange, damit er vor phantaſtiſcher Schwelgerei und vor Religionsſchwärmerei bewahrt bleibe, damit er wenigſtens ſo weit wiſſens⸗ und überzeugungsfeſt werde, um in der argen Welt nöthigen Falles ſich vertbeidigen zu können, und damit er auf geſunder Bahn in rechtſchaffenen Früchten der Buße unter den Menſchen thätig bleibe. Mag dann immerhin der Glaube dieſes Kindes, den du mit Weisheit vor krankhafter Einſeitigkeit behütet haſt, vorherrſchend Gefühls⸗ glaube bleiben, wie dein Glauben es vielleicht nicht iſt; der Herr hat ſich grade ſolch ein Gefäß erwählt und bereitet und wird darin den Glauben ſchon zu vollenden wiſſen zu Seiner Zeit nach Seiner Art. Du haſt das anerkennenswerthe Verdienſt, im Religionsunterrichte unter An⸗ wendung einer weisheitsvollen Allſeitigkeit dem gefühlswarmen Kinde nicht durch logiſche Ueber⸗ muthungen ſein Heiligthum entheiligt oder verleidet, vielmehr durch ruhige maßvolle Erkenntniß⸗ entwickelung ſein überwallendes Gefühl beruhiget zu haben, indem du ſtets dir ſagteſt, daß Gott auch ſolche Pflanzen ſich gepflanzet hat.
Dahingegen wolle von dem kälter organiſirten und logiſcher angelegten Denkſchüler nicht diejenige Glaubenswärme, darin du nach deiner erregbaren Gemüthsanlage vielleicht lebſt, darin du aufgewachſen und erzogen biſt. Schone vielmehr deines Schülers Denkglauben, gering⸗ ſchätze nicht ſein vorherrſchendes ruhigeres Streben nach religiöſer Ueberzeugung und arbeite in aller Geduld unvermerkt bei ihm dahin, daß ſein Verſtand nicht das Gefühl zerſetze, damit religiöſe Erkenntniß nicht für Religion genommen werde. Wecke neben der begrifklichen reli⸗ giöſen Beſchäftigung und von ihr aus immer zugleich auch das religiöſe Gefühl hauptſächlich durch das Beiſpiel eigner Gemüthlichkeit, belebe durch bibliſche Geſchichte durch individualiſirende Exemplifikation und religiöſe Poeſie die religiöſe Einbildungskraft oder Phantaſie, die mit dem Gefühle in ſo engem Bunde iſt, und leite das Verſtandeskind als chriſtlicher Pädagoge und Lehrer dahin, daß ſein Dank⸗ und Ueberzeugungsglaube praktiſch werde, und auch es vor ſeinem Gotte und Heilande anbetend niederfalle mit dem Rufe: Herr, ich glaube, hilf meinem Un⸗ glauben! Grade die nach gründlicher Ueberzeugung ringenden grübelnden Zweifler und ratio⸗ nalen Zweifelgeneigten ſind auf jene Weiſe ſchon oft die Glaubensfeſteſten geworden, weil ſie mit ihren Bedenken nicht hart abgewieſen und durch überſchwängliche gemüthliche Zumuthungen nicht widrig ſind überſchüttet worden. 4
Deßgleichen unterſchätze und verunglimpfe nicht, am allerwenigſten verſpotte, das Kind, deſſen religiöſes Leben, auf Grund einer vorwiegend und unmittelbar praktiſch organiſirten Seelenkonſtitution, ohne beſondere Gefühlsaffection und ohne beſondere intellektuelle Abſichtlichkeit, ſich als Beſtrebungsglaube in einem gewiſſen Thun ausgeprägt, das, wie es zu Hauſe bei den Aeltern es geſehen und von ihnen erlernt hat, entweder in ſichvonſelbſtoerſtehender und aus eigener Kraftvollkommenheit geübter guter Sitte ſeine Religion aufgehen läßt und Tugend für Religion nimmt, oder gewohnheitsmäßig in einem gewiſſen ascetiſchen cermoniellen Methodismus ſeine Frömmigkeit darzuſtellen und zu üben ſtrebt. Das Eine und das Andere laſſe dem Kinde und beſchädige es ihm nicht; unzweifelhaft hat es darin einen religiöſen Halt. Suche nur das Gefahrdrohende aus dieſer unvollkommenen praktiſchen Glaubensrichtung zu entfernen. Suche die moraliſche Sitte des Kindes als ein geſundes Willensprodukt gleichmäßig


