6
Weſenheiten, Lebensprinzipien und Triebkräfte, dann ſind ſie unbeſtreitbar alle religiöſer Natur, binden den Menſchen an die abſolute Perſönlichkeit Gottes, führen und treiben zu Gott, einigen ſich in unmittelbarem Gottesbewußtſein und gehen alle miteinander auf in der lebendigen Relation zu Gott, in der Religion. Auf der anderen Seite iſt hinwiederum die Religion als unmittelbarer Geſammtaufſchwung und Geſammtanſchluß des geiſtbegabten Menſchen zum Vater der Geiſter das Schutzlager und die Nährquelle der Ideen und der ideellen Be⸗ thätigung. Als ideenbegabtes Weſen iſt der Menſch ein ſpecifiſch relgiöſes Geſchöpf; von An⸗ fang an waren die höheren Beſtrebungen der Menſchheit, die künſtleriſchen, die wiſſenſchaftlichen und die ſittlichen, weſentlich religiös; der Religion verdanken wir die erſten Künſtler, Philoſophen und Propheten.
Wenn demnach, wie es die bisherige pſychologiſche Erörterung andeutungsweiſe aufzudecken die Abſicht hatte, und wie es dem chriſtlich aufgeklärten Selbſtbewußtſein zweifellos iſt, wenn demnach das Menſchenkind in und mit ſeiner geiſtigen ideellen Menſchennatur, in u. mit ſeiner göttlichen Vervollkommnungsanlage für alle ſeine Kräfte die Zielpunkte ſeiner geſammten Ent⸗ faltung und Bildung in ſich trägt; wo anders könnte dann der Fundamental⸗, der Central⸗ und der Zielpunkt ſeiner allſeitigen Menſchen⸗Entwickelung liegen, als in ſeinem relig iöſen Selbſtbewußtſein, in ſeinem Gottesbewußtſein, in der Religion, dem unmittelbaren Ge⸗ ſammtaufſchwunge aller Lebenskräfte zum Schöpfer, im Gehen mit Gott, mit dem Gotte, der ihm im erſten Augenblicke des Werdens ſchon das ewige Siegel Seines eigenen Weſens eingeprägt hat? Auf welchem Erziehungsgebiete muß ſich demnach aber auch das pädagogiſche Pflicht⸗ gebot einer allſeitigen harmoniſchen Ausbildung entſchiedener und dringender geltend machen, als auf demjenigen der religöſen Erziehung? Auf welchem erziehlichen Lehrgebiete endlich in der der allgemeinen Menſchenbildung gewidmeten Volksſchule wird ſich alſo für den Lehrer die Pflichtforderung pädagogiſcher Allſeitigkeit mächtiger konzentriren, als auf dem des Religons⸗ unterrichtes? Es iſt und bleibt demnach die ſtrengſte pſychologiſche Konſequenz, Alles, was eine Menſchenſeele von Kräften in ſich trägt, ausnahmslos alle paſſiven und aktiven Kräfte, von den unterſten Stufen bis zu den höchſten hinan, auf allen Stadien des wachſenden Alters in der erſten Baſis, im Kerne und im letzten Ziele ſtets religiös zu bilden, mithin im Religionsunterrichte keine Kraft des Kindes unangeſprochen, unangefaßt, unerregt, unentwickelt und ungeübt zu laſſen.
Das Schöne jeglicher Gattung, was jedes Kind mit Befriedigung und Luſt empfinden, woran es durchſchlagend Wohlgefallen gewinnen ſoll, iſt von Ewigkeit zu Ewigkeit nur allein das, was Gott der Herr als gut und wahr und göttlich mit höchſteigener Luſt in den Ge⸗ ſtaltungen der Natur und des Lebens ausprägt, was Er in concreter Daſeinsform durch die Kanäle der geiſtig organiſirten Sinne dem äſthetiſchen Gefühle zu einem ſeeligen Genuße zu⸗ gänglich macht, und was Er ſelbſt als Seinem Weſen entſprechend in unſerem unverkümmerten äſthetiſchen Gewiſſen oder guten Geſchmacke als ſchön gekennzeichnet hat. Das Schöne hat demnach ſtets und grundweſentlich religiöſen, weil geiſtigen, ideellen, abſoluten, göttlichen Charakter. Das Schöne kann daher zur religiöſen Belebung und Bildung des Gefühles und der damit ſo eng zuſammenhängenden Phantaſie des Kindes im Religionsunterrichte gar nicht


