Aufsatz 
Die wichtige Pflicht der Lehrer, den Gefahren des Formalismus mit aller Sorgsamkeit zu begegnen
Entstehung
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ergriffen und belebt werden. Durch ſolche Harmonie, Abwechſelung und Allſeitigkeit ſeiner Lehrmethode in allen ihm anheimfallenden Lehrzweigen muß es gewißlich dem Volkslehrer ge⸗ lingen, ſtatt der formaliſtiſchen Ausklärung eine reelle Aufklärung und geſunde Belebung bei ſeinen Zöglingen anzubahnen, die heilige Wahrhaftigkeit, d. h. den beſcheidenen, uneigennützigen, ſelbſtverleugnungsvollen Wahrheitstrieb und Wahrheitsdurſt in den Kindern zu entzünden, und ſomit vorbereitungs⸗ und annäherungsweiſe die wirkliche weſenhafte Wahrheit ſelbſt in die Kinderſeelen zu pflanzen, welche, wie die Sonne den Nebel, hinfort allen Formalismus von dannen ſcheucht, und von deren lebensfriſcher Strahlenhöhe aus betrachtet ihr After⸗ und Krüp⸗ pelbruder, der Formalismus, nur ein ſchwindſüchtiger farbloſer Abklatſch, nur ein lügneriſcher und trügeriſcher, nicht aus Gott geborener, Schatten iſt.

Tauſendmal Dank, Ehre und ewiges Heil dem Lehrer, welcher ſtill und anſpruchslos, aber feſt und weiſe auf ſolche Art das arge Zeitübel des heute als Weltzerſplitterer ſich breit machenden Formalismus an der Wurzel abzugraben ſich bemüht, und um die zur Wahrheit berufene Volksjugend, ſo um das ganze Chriſtenvolk jetzt und zukünftig ſich verdient macht! Er hat zwar nur ein Scherflein zur Volksbildung und zur Volksbeglückung beigetragen, aber er hat am Leben der Menſchheit, nicht an ihrem Tode gearbeitet. Er iſt ein Licht und ein Salz auf Erden geweſen; ſein Gedächtniß bleibet im Segen. In unausſprechlicher Sieges freude feiert in der Ewigkeit ſeine zum Frieden gekommene Seele; er hat reife volle Garben heimgebracht! Wohl uns, wann wir's wiſſen; ſeelig ſind wir, ſo wir's thun!