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verachten den Gefühlloſen. Zeigſt du dich von Herzen andächtig und erbaut im Andenken an den lebendig-perſönlichen dreieinigen Gott, im Leſen der heiligen Schrift und im unmittelbaren Umgange mit Gottes heiligem Geiſte, zeigſt du dich kindlich gläubig und anerkennend die gött⸗ lichen Ideen in dir ſelbſt, dieſe heiligen Triebe zu allem Guten, Schönen und Wahren, dieſe Anknüpfungspunkte aller Gottesoffenbarungen in der Menſchenbruſt; o dann, aber auch nur dann lernen die Kinder den Geiſt in ſich als das Köſtlichſte empfinden, die Wirkungen des hei⸗ ligen Geiſtes ſpüren, Gott die Ehre geben allenthalben und den Fleiſchestrieben gegenüber ihre Geiſtestriebe anerkennen, ſie verehren und ihnen freudig folgen. Damit aber ſind deine Zög⸗ linge gerettet für immer von der Schmach des elenden, die Ideen leugnenden Formalismus.
Nicht minder ſodann kommt bei Bekämpfung dieſes grade durch Theoretiſiren und theore⸗ tiſirenden Unterricht ſo ſehr genährten Uebels neben der Zucht das andere Bildungsmittel in der Schule, nämlich der Unterricht, in Betracht; und zwar zunächſt kommt derſelbe hier in Be⸗ tracht hinſichtlich ſeiner Materie und des unter ſeinen verſchiedenen Gattungen beſtehenden Ver— hältniſſes, wie ſolches durch einen Lehr⸗ und Lectionsplan feſtgeſtellt ſein ſoll.
Da muß ich denn weiter als unerläßliches Bekämpfungs- und Verhütungsmittel des lei— digen Formalismus in der Schule die gehörige Harmonie im geſammten Unter⸗ richtsſtoffe auf's angelegentlichſte betonen.
Was für Lehrſtoffe in der Schule an die Jugend zu bringen ſind, darüber kann grade bei der ſ. g. Elementarſchule, welche die allſeitige harmoniſche Cultur des jugendlichen Men⸗ ſchen als eines Menſchen im chriſtlichen Sinne des Wortes, ohne weſentliche Rückſicht auf Ge⸗ ſchlecht, Stand und künftigen Beruf, nach allen Richtungen zu erſtreben hat, kaum ein Zweifel ſein. Durch dieſe Lehrſtoffe müſſen ſämmtliche Wiſſensgebiete elementariſch vertreten ſein und zwar ſo, daß deren elementariſche Repräſentanten harmoniſch ſich gegenſeitig in gebührenden Schranken halten, ſämmtliche Seelenkräfte des Kindes harmoniſch bilden, und keiner von ihnen auf Koſten des anderen einſeitigen Einfluß ausübt. Kein einzelner Lehrſtoff darf ſich demnach in der Elementarſchule etwa ſo verdrängen, wie das ſpäter— und darum minder gefahrvoll— in einer auf einen beſtimmten Lebensberuf Rückſicht nehmenden Fachſchule allgemeinerer oder beſonderer Art geſchieht. Dahingegen haben die Elementarlehrſtoffe mit der ihnen zugetheilten Stundenzahl höchſtens in dasjenige ſteigende oder fallende Verhältniß zu einander zu treten, wie es etwa die Schwierigkeit der Zueignung(Sprache) auf der einen und die prävalirende Wichtigkeit(Religion) auf der andern Seite naturgemäß fordern. Nun aber gibt es meines Wiſſens— ſtreng geſchieden— nur drei Gattungen von Lehrſtoffen überhaupt, nämlich Rea⸗ lien(deren Gegenſtände in die Sinne fallen), Formalien(deren Gegenſtände nur an den Dingen haften, und zwar an und für ſich ganz unſelbſtſtändig, nur mathematiſch, begrifflich und ſprachlich, nie und nirgends aber als ſelbſtſtändige Realitäten vorkommen) und Idealien (deren Gegenſtände die geiſtlichen Realitäten, die Ur- und Lebensprinzipien von Allem ſind, im abſolut-perſönlichen Urgrunde des Daſeins ruhen, von demſelben ausgehen in die Welt, darin Alles zuſammenhalten, zum Ziele führen und einzig befriedigen). Es gehört gar kein ſcharfes Auge dazu, um ſogleich zu erkennen und zu urtheilen, daß die Idealien eine centrale Stellung im Elementarſchulunterrichte haben und deßwegen herrſchaftlich in der Schule ſtets vertreten ſein müſſen, weil ſie den Idealmenſchen in ſeiner Geſammtheit anfaſſen, prinzipiell cultiviren und unmittelbar zum Allerhöchſten hinanheben, weil überhaupt Gott mehr iſt als die Welt, und der Geiſt mehr als die Materie. Es iſt nicht minder einleuchtend, daß jene Idealien in der Elementarſchule durch den Religionsunterricht vertreten ſein müſſen, wie auch beiläufig


