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Katechumenen uiederzulegen, dann dürfte es uns nie einfallen, die ſo tief gehende Oekonomie des Reiches Gottes in die Erkenntniß der Kinder zu bringen. Wie wäre aber anders ein lebendig bleibender Chriſtenthumsunterricht möglich? Iſt doch der Verſtand des Menſchen der am ſyſte⸗ matiſchſten gefügte Organismus ſelbſt, warum ſollte dem ſchon von Hauſe aus begabteren und befähigteren Seminariſten oberſter Claſſe als künftigem Volkslehrer der wichtigſte Gegenſtand irdiſcher Erkenntniſſe, nämlich der Menſch und deſſen Seelenleben, nicht in einer organiſch⸗ſyſte⸗ matiſchen Lehre zur Erkenntniß gebracht werden können, ohne daß Popularität und Praktiſchkeit dadurch aufgehoben werden? Nein; die Popularität kann nicht beſtehen in Unwiſſenſchaftlichkeit ſchlechthin. Sie grade erheiſcht die tiefſte wiſſenſchaftliche Durchdringung eines Lehrſtoffes von Seiten des Lehrers, ohne welche durch den Volkslehrer der Volksjugend ein oberflächliches Sam⸗ melſurium voller Irrthümer gereicht wird, das vor dem Richterſtuhle der immens vorgeſchrittenen Zeitkultur ſich nicht behaupten kann zum unberechenboren Schaden der heiligen chriſtlichen Kirche und der chriſtlichen Volksſchule ſelbſt. Die rechte Popularität bei Behandlung eines Lehr⸗ zweiges, alſo auch der Seelenlehre, beſteyt in einer Form und Sprache, welche ſo in das Klare und Verſtändliche herausgearbeitet ſind, daß Alles(ſoweit möglich) faßlich, durchſichtig und hand⸗ greiflich wird. Enthaltung von allen den Seminariſten unverſtändlichen ſogenannten Kunſtaus⸗ drücken und Fremdwörtern, Verſchmähung einer ſchwerfälligen, durch todte Scholaſtik erzeugten, ſogenanten Schul⸗ oder Gelehrtenſprache wird alſo ſtets die pflichtmäßige Aufgabe des Lehrers der Pſychologie bei ſeinem Unterrichte vor Seminariſten ſein; wie wohl auch die üblichen und oft ganz unentbehrlichen Kunſtausdrücke nach gehöriger Erklärung gebraucht werden müſſen, damit dem künftigen Lehrer die pſychologiſche Fortbildung möglich, und die Literatur zugänglich gemacht werde. Die katechetiſche oder dialogiſche Lehrweiſe, welche ich auch hier unbedingt vorausſetze, wird Mißverſtand in der Regel nicht aufkommen und Unverſtandenes nicht unaufgehellt liegen laſſen. Zu dieſer Verſtändlichkeit der Lehrſprache wird ferner hinzukommen müſſen, daß der ganze Vortrag des Lehrers nicht in trockenen Sätzen dahinlaufe, ſondern daß derſelbe durch die mannichſaltigſten Beiſpiele aus der eigenen Erfahrung, aus der Geſchichte und aus dem alltäg⸗ lichen Menſchenleben gewürzt werde, ſo daß er Fleiſch und Blut, Farbe und Leben, alſo volle Verſtäͤndlichkeit und Anſchaulichkeit gewinne. Die Schriften ſogenannter empiriſcher Pſychologen liefern neben den Dichterwerken der ausgezeichnetſten Dichter hierzu einen reichen Stoff.
Damit aber der Seminariſt ſogleich auch merke, wozu ihm das Einzelne ſeiner Pſychologie dienlich, ſein ſoll, damit er die pſychologiſchen Wahrheiten für ſeinen künftigen Beruf verwenden lerne und deßhalb um ſo lieber nach ihnen greife, werde der Unterricht für ihn ſtets praktiſch ertheilt, d. h. er werde immer in ſeiner praktiſchen Bedeutung, in ſeinen praktiſchen Beziehungen und Ausläufen aufgedeckt. Insbeſondere gehört bierzu die Verückſichtigung der Pädagogik nach ihren mannichfachen Gebieten, welche ja recht eigentlich eine pſychologiſche, d. h. auf den Grund⸗ ſätzen der Pſychologie beruhende und in denſelben ſich bewegende praktiſche Wiſſenſchaft iſt. In dieſer durch eine praktiſche Behandlung erzielten Anwendung auf das alltägliche Leben und ins⸗ beſondere auf die Berufspraxis des Volkslehrers erhält erſt recht die Pſychologie ihre bedeut⸗ ſame einflußreiche Stellung unter den Lehrzweigen des Schullehrerſeminars.


