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Idee iſt für den in ſeiner Entgeiſtigung ſich aufreibenden Menſchen der leibliche Tod. 1 Moſ. 3, 19. Röm. 5, 12. 6, 23. 8, 6. Dieſe letzte zur Reconvalescenz anſtrebende Kriſis, welche die menſchliche Natur in die ſchauervollſte Zertrennung und Auflöſung hinabſtürzt, ſoll nach Gottes Gnadenwillen unter Vermittlung des Lebensinhabers und Geiſtesſpenders von Golgatha für das Individuum eine Kriſis zum ewigen Leben im Stande der Verklärung werden; wo dieſe Abſicht nicht erreicht wird, da iſt der ewige Tod, d. i. die Pein der endloſen Auflöſung oder hölliſchen Verdammniß. Matth. 25, 30. 31 ff. Mark. 9, 43. 44. Johs. 5, 25— 29. 1 Cor. 15, 22. 26. Offenb. 20, 14. ꝛc. ac.
Dies ſind zwar Sätze zunächſt poſitiv⸗religiöſer Art, aber ſie ſind für eine geſunde, aufge⸗ klärte, genügende Pſychologie gar nicht zu entbehren, wenn organiſche Einheit und Licht in die Begriffe aller einzelnen Erſcheinungen des menſchlichen Lebens gebracht werden, und die Pſycho⸗ logie überhaupt eine in ſich haltbare, der Seele lebendig⸗fruchtbare und der Erziehungspraxis insbeſondere treu dienliche werden ſoll.
2) Soll aber die alſo von den anthropologiſchen Materialprincipipien der heiligen Schrift durchleuchtete Seelenlehre am Schullehrerſeminare mit einiger Hoffnung auf dauernden Erfolg und tiefen nachhaltigen Einſchlag in die Seelen der Seminariſten gelehrt werden, ſoll ſie eben⸗ bürtig den andern Disciplinen des Lehrplanes zur Seite ſtehen und vermittelnd, verſöhnend, ja theilweiſe regulirend in ſie eingreifen: Dann wird zu ihrer Behandlung der zweite Hauptgrund⸗ ſatz nicht von der Hand zu weiſen ſein, nämlich der der Wiſſenſchaftlichkeit. Verſteht man freilich unter Wiſſenſchaft ein künſtliches, ſtubengelehrtes, hochbeiniges Lehrgebäu, welches das Produkt einer bis in das Einzelnſte ausgeſpitzten Verſtandesabſtraktion iſt, ein ſogenanntes logi⸗ ſches Skelett ſich unter⸗ und überordnender Begriffe und Kategorien, ein hohles Schema aus⸗ einander gezogener Formalbegriffe; dann freilich dürfte von Wiſſenſchaftlichkeit auch bei Behand⸗ lung der Seelenlehre an Seminarien keine Rede ſein. Solch eine Verkümmerung weſenhafter Realitäten und Idealitäten, ſolch eine blaſſe Depravation des friſchen farbreichen Menſchenlebens iſt ſtets eine Verſündigung an der Sache und an den Zöglingen, macht auch dem frechen, nur kritiſirenden, am Ende Alles nihiliſirenden Uebermuthe einer eiteln Sophiſtik Raum. Abſtraktion und Begriffsſpalterei iſt noch lange keine Logik, am wenigſten Wiſſenſchaft. Pure Abſtraktion mumiſirt und zerſchneidet das Leben; Wiſſenſchaft erfaſſet und wecket das Leben, wie es ſyſte⸗ matiſch und organiſch im Menſchen lebet und webet. Wiſſenſchaftlichkeit im wahren Sinne des Wortes iſt die im ſyſtematiſch organiſirten Menſchenverſtande möglichſt treu vollzo⸗ gene Rückſpiegelung des betreffenden Daſeinsgebietes nach ſeiner Ganzheit und Einzelheit, wie es lebet und webet im Weltganzen nach der Ordnung und vor dem Angeſichte des Schöpfers. Die Wiſſenſchaft vom Menſchen iſt demnach das treue organiſche Abbild des Menſchen, wie er in ſeiner Idee beſteht und aus derſelben heraus ſich entfaltet. Die Wiſſenſchaft der Pſychologie i*ſt alſo die(durchs Denken vollzogene) genetiſche Herausentfaltung des menſchlichen Seelen⸗ lebens aus dem eigenen, wachgerufenen, bibliſch geklärten, Selbſtbewußtſein; wobei alle erfah⸗ rungsmäßigen Vorkommniſſe dieſes Seelenlebens geeigneten Orts ihre gemeſſene Berückſichtigung erfahren. Die Pſychologie darf ſich alſo nimmermehr unorganiſch oder willkührlich vorwaͤrtsbe⸗


