Aufsatz 
Die obersten Grundsätze, nach welchen die Seelenlehre an Schullehrerseminarien zu behandeln ist
Entstehung
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den Menſchen ſo begreifen, wie er erfahrungsmäßig erſcheint, damit ſie eine mit der Erfahrung harmonirende und für das tägliche Leben praktiſche werde; ſo bleibt ihr gar nichts übrig, als auf die weitere Conſequenz einzugehen, welche die heilige Geſchichte als geſchichtliche Thatſache erzählt, nämlich auf die Entartung des Menſchen im Sündenfalle; alſo den Menſchen, wie er dermalen iſt, im Vergleiche damit, wie er war und ſein ſoll, zu begreifen unter dem Geſichts⸗ punkte des Abf alls. Sie wird alſo allenthalben in ihrem wiſſenſchaftlichen Fortſchritte aufzu⸗ decken haben, wie aus dem Ideal⸗Menſchen der dermalige erfahrungsmäßige Menſch, aus der lebensfriſchen Creatur des Gehorſams der durchweg verkümmerte Menſch des Ungehorſams ge⸗ worden iſt. Den Sündenfall demnach 1 Moſ. 3., alſo den Mißbrauch der menſchlichen Freiheit oder die Entgegenſetzung des Menſchen wider den Schöpfer, wird die Pſychologie als den erſten und tiefſten Grund zur Erklärung der dermaligen mangelvollen menſchlichen Zuſtände adoptiren müſſen. Aus dem Sündenfalle(deſſen Motiv außerhalb dem Menſchen in einem unſerer Erfahrung unzugänglichen ſchauervollen Bosheitsabgrunde liegend offenbart iſt) iſt die menſchliche Geiſtesabſchwächung oder Geiſtesverarmung(Verluſt des göttlichen Ebenbildes) Epheſ. 4, 23. 24. Coloſſ, 3, 10. Matth. 5, 3. 11, 5., und hieraus die eingetretene Zerfallen⸗ heit oder Disharmonie der menſchlichen Natur und des menſchlichen Lebens, insbeſondere die Seelenverkehrtheit, die Gefühlsverſtimmung, Denkverworrenheit und Willensleidenſchaft, ſowie das Kränkeln des aus dem Dienſte einer heiligen Seele herausgetretenen Fleiſches oder die Körperkrankheit, als nächſte Folge erklärt. Dieſe aufreibende Disharmonie in der urſprünglich harmoniſchen, weil geiſt⸗regierten, menſchlichen Natur beruht hauptſächlich, wie die heilige Schrift offenbart, in einer unſeeligen Zwieſpältigkeit des Menſchen, in einem Widerſtreite(Dicho⸗ tomie) des fleiſchlichen(alten) und geiſtlichen(neuen) Menſchen, wobei die Seele der hin und her Leriſſene Gegenſtand iſt. Röm. 7, 18 24. 1 Cor. 2, 14. Jud. 19. Die feindliche fried⸗ loſe Stellung des entgeiſtigten und alſo verfleiſchlichten Menſchen gegenüber dem Schöpfer, gegen⸗ üͤber der Menſchheit, dem Weltganzen und insbeſondere der Natur hängt damit nothwendig zu⸗ ſammen. Röm. 8, 6 8. 1 Moſ. 3, 17. 18. 23. 24. So iſt denn die Sünde der dem Menſchen urſprünglich geſtellten gottſeeligen Entwicklungsaufgabe im Zeitlichen hindernd und diſtrahirend in den Weg getreten, der ideenarme Menſch iſt abgeartet zu den mannichfachſten Verkrüppelungen, Thorheiten und Abwegen, und das ganze menſchliche Leben liegt unter dem Fluche des Unglaubens im Zuſtande der Abnormität(des Infranaturalismus), woraus es ſich ſehnet erlöſt zu werden, was aber einzig nur durch Geiſtesſtärkung geſchehen kann. Darum eben iſt für die Menſchheit eine energiſche, ſtrenge Erziehung des Schöpfers und die Umwandlung der Erde in ein Zucht⸗Haus, insbeſondere eine ernſte Erziehung der Jugend durch geiſtesſtär⸗ kere Erzieher im Namen Gottes durchaus nothwendig geworden. Darum auch iſt für das ſeiner Beſtimmung noch nucht total vergeſſene Menſchengeſchlecht die Hoffnung auf Reſtitution, Erloſung, Umſchaffung und Rettuug in den Stand emer Verklärung(Supranaturaliſirung) durch einen Zeiſtgeſalbten heiligen Heiland und Geiſtesſpender(Täufer) unabweisliches tiefinnerliches Be⸗ dürfniß. 1 Moſ. 6, 5. 8, 21. Luk 4, 18. Matth. 15, 19. Röm. 8, 19 ff. Matth. 8, 17. 12, 25. 30. Jeſ. 11, 8. 40, 4 f. Die zeitliche Endfolge des Herausgefallenſeins aus ſeiner