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Matth. 19, 5. Apoſt. Geſch. 17, 26. 1 Cor. 15, 45. c. Hinweg alſo mit der alten wahr⸗ heitswidrigen Unart, den Menſchenleib in die Säugethiere einzureihen! Hinweg mit der unlogi⸗ ſchen Sitte, auf Grund der ſogenannten Racen⸗Unterſchiede von verſchiedenen Menſchenarten zu fabeln! Es gibt für die Menſchen aller Racen nur eine einzige Anthropologie und Pſychologie. Das durchgreifende Gewicht ſchon dieſer Anſchauung für die ganze Pſychologie erhellet von ſelbſt.
Weiter jedoch ergibt ſich aus jener dreieinheitlichen Begreifung des Menſchen, daß der⸗ ſelbe als ſolcher der Idee des vollendeten Organismus entſpricht, worin unter der be⸗ lebenden und zuſammenhaltenden Herrſchaft des Geiſtes das Ganze durchs Einzelne und das Einzelne durch das Ganze bedingt wird. In der menſchlichen Perſon iſt alſo Leibes⸗, Seelen⸗ und Geiſtesleben ſo ſehr in Eins verwoben und verwachſen(immanent) und wechſelweiſe ſich beſtimmend zu denken, daß keines ohne das andere und in jedem jener drei keine einzelne ſ. g. Kraft ohne die anderen gedacht werden kann, widrigen Falles ſofort der Begriff des Menſchen als einer(geiſtlichen) Perſon völlig zerfiele. Bei aller Mannichfaltigkeit menſchlicher Individual⸗ conſtitutionen iſt es dennoch ewige ausnahmsloſe Thatſache, daß jeder Menſch ein freies dreiein⸗ heitlich organiſirtes Geſchöpf iſt, deſſen dreieinheitliche Totalorganiſation in allen Fächern oder Theilgebieten ſeiner untergeordneten Specialorganiſation ſich wiederum kundgibt. Z. B. Ernäh⸗ rung, Bewegung und Empfindung als die drei Phaſen des Leibeslebens; Denken, Fühlen und Wollen(Marc. 12, 30. 33. 5 Moſ. 6, 5.) als die drei Grundformen des Seelenlebens; Be⸗ greifen, Urtheilen und Schließen als die drei Formen der ſeeliſchen Denkthätigkeit. ꝛc. ac.
Von dieſer organiſchen Grundweſenheit der menſchlichen Natur, von dieſer abſoluten Im⸗ manenz des Geiſtes in der menſchlichen Seele und der geiſtlichen Seele in dem Menſchenleibe gibt der der Menſchheitsidee vollkommen entſprechende Menſch, der Menſchenſohn, der rechte Adam, Jeſus Chriſtus, als der ohne irgend welche Abirrung zur Vollreife Herange⸗ wachſene(Luk. 2, 42. 52.), niemals in irgend einem Kränkeln Befangene, in ungetruͤbter Har⸗ monie und Schöne Stehende(Pſ. 45, 3. Hohel. 1, 16. Jeſ. 33, 17.), lebenskräftig die Na⸗ tur Beherrſchende, auf dem heiligen Berge Galiläas vorübergehend in die überirdiſche Verklä⸗ rungsphaſe Eingetretene, aus dem gewaltſam zugefügten Tode und aus der Todesgruft ſiegreich Auferſtandene(Apoſt. Geſch. 2, 24. 27.), ſchließlich mit verklärter Menſchennatur zum Himmel hinan Gegangene den unwiderleglichen welthiſtoriſchen Beweis.
Mit der pflichtſchuldigen Aufnahme dieſer ſo überaus wichtigen Offenbarung von der or⸗ ganiſchen Natur des Menſchen iſt für das ganze Gebiet der pſychologiſchen Wiſſenſchaft der ver⸗ wirrende Schein einer untilgbaren Kluft zwiſchen Natur und Geiſt gründlich gelöſt, zwiſchen Natur⸗ und Religions⸗Wiſſenſchaft, zwiſchen Philoſophie und poſitiv⸗chriſtlichem Glauben der engſte Bund geſchloſſen, und zugleich annäherungsweiſe der Weg zum pſychologiſchen Begreifen der ſublimſten anthropologiſch⸗chriſtlichen Dogmen über zeitliches Uebel, Krankheit, Tod, Aufer⸗ ſtehung, Verklärung, Himmel und Hölle aufs logiſchſte geebnet. Somit erſcheint das menſchliche Individuum eben ſo wenig als ein elendes Conglomerat mannichfaltiger Kräfte und Vermögen, davon eines bei zufällig mangelndem Leibesorgane wohl auch einmal fehlen könnte; wie es auch nicht als ein Weſen erſcheint, welches erſt im Wege der Stufenaufſteigung mittelſt eines noth⸗


