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welches, aus der Erdenſubſtanz korperlich bereitet, in dieſem eigenthünrlich dazu disponirten Leibe eine erſchaffene Seele trägt, die aber erſt durch Einhauchung des Geiſtes von Gott eine„leben⸗ dige“, freie, ideenerfüllte, der Vervollkommnung fähige, für das ewige Leben beſtimmte, nicht dumpfe und ſtumpfe, Seele iſt. 1 Moſ. 1, 26 u. 27. 2, 7. Leib, Seele und Geiſt alſo ſind die drei grundweſentlien, untrennbaren Elemente der menſchlichen Geſammt⸗Conſtitution. 1 Theſſ. 5, 23. Hebr. 4, 12. Die Menſchenſeele iſt eine geiſtliche(Geiſt), ſo daß, da ſie als eine perſönliche einem Körper inhärirt, ſelbſt der Menſchenleib als ein geiſtlicher, zum Unter⸗ ſchiede von allen andern irdiſchen Leibern, zu begreifen iſt. 1 Cor. 15, 39. In dieſer Geiſt⸗ lichkeit grade trägt der Menſch als die Krone der Schöpfung das Ebenbild Gottes an ſich (1 Moſ. 5, 1. 9, 6. Weish. 2, 23. Epheſ. 4, 24. Col. 3, 10. Apoſtelgeſch. 17, 28. Pred. Sal. 12, 7. ꝛc.), hat er Gottesbewußtſein, Gottesgefühl, Gortesbeſtreben, Gottesgemeinſchaft, beſitzt er für die Entfaltung einer jeden ſeiner ſogenannten Kraäfte oder Anlagen die göttlichen Ideen als gegebene ewige Zielpunkte ſeiner Beſtimmnog und Vervollkommmung in ſich.(Luk. 11, 35. Johs. 6, 63. 2 Cor. 1, 22. 5, 5. 3, 6.)
Aus dieſer bibliſchen Grundanſchauung von der Natur des Menſchen als eines dreieinheit⸗ lichen, alſo geiſtlichenzſeeliſch⸗leiblichen, Individuums, ergeben ſich für die Pſychologie die wichtigſten Folgerungen, womit die bedeutendſten Abartungen dieſer Wiſſenſchaft, ſeien ſie in irgend einer Weiſe materialiſtiſch odet idealiſtiſch, entſchieden abgewieſen werden.
Zunächſt ergibt ſich hieraus, daß unter allen, unſern Sinnen zugänglichen, Werken Gottes der Menſch unbedingt das oberſte, das kunſtvollſte und ſchönſte, das an eine höhere überirdiſche Weltordnung anknüpfende, alſo himmelverwandte iſt; daß demnach der Menſch, obſchon alle niederen Stufen irdiſchen Lebens in ſich vereinend und an den drei niederen Reichen des Da⸗ ſeins(Mineral⸗, Pflanzen⸗, Thier⸗Welt) betheiligt, dennoch ein ganz anderes, eigenthümliches, ungleich höheres Reich von Geſchöpfen, nämlich das Reich geiſtlich organiſirter Ge⸗ ſchöpfe auf Erden bildet; daß aber hierbei dennoch die Geſammtheit aller menſchlichen Indi⸗ viduen(trotz der auf dieſer Lebensſtufe bis in das Unabſehbare ausgeprägten individuellen Mannichfaltigkeit), alſo das ganze Menſchenureich, nur eine einzige Gattung oder Art aus⸗ macht, was von der Geſammtheit der Geſchöpfe in einem jeden der drei niederen Reiche durch⸗ aus nicht geſagt werden tann. Wäͤhrend alſo das einzelne menſchliche Individuum(als freie mit ſeinem Schöpfer unmittelbar communicirende Perſon, in welcher der große Organismus der Geſammtſchöpfung am vollkommenſten ſich wiederſpiegelt, ſo daß er wunderbar daraus wieder hervortönt) mit voller Selbſtſtändigkeit Allen ſeines Gleichen gegenüber ſteht; ſo berühren dennoch alle ſich vorfindenden Unterſchiede ſogenannter menſchlicher Naturelle, Conſtitutionen und Temperamente das charakteriſtiſche Weſen des Menſchen ſo wenig, ſondern ſo augenſcheinlich blos einzelnes Unweſentliche ſeiner untergeordneten Organiſationsgebiete, daß unter den Men⸗ ſchen aller Zeiten und Zonen ſchlechterdings kein Unterſchied der Art aufzufinden iſt, welcher Grund gäbe, das Menſchengeſchlecht in verſchiedenen Gattungen zu begreifen. So offenbart denn auch die heilige Schrift die angeſtammte intime Brüderlichkeit aller Menſchen oder die Abſtam⸗ mung derſelben von einem einzigen Blute mit aller Entſchiedenhett. 1 Moſ. 2, 21 ff. 5, 2
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