Aufsatz 
Die obersten Grundsätze, nach welchen die Seelenlehre an Schullehrerseminarien zu behandeln ist
Entstehung
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einen offenen Kampf gegen das Lehrgebäude der chriſtlichen Religionswiſſenſchaft und löſte die heilſamſten chriſtlichen Lebensanſchauungen auf. Soll dieſe heilloſe Willkühr Jünglingen gegen⸗ über, welche allen wiſſenſchaftlichen, zumal nach Philoſophie ſchmeckenden, Eindrücken weit offen ſtehen und alsbald auf das ganze Volk einen ſo bedeutenden Einfluß gewinnen, aufhören; dann gibt es hierzu nur das eine ausgiebige Mittel, daß ein unwandelbar feſtes Princip adoptirt werde, welches mächtig und reichhaltig genug iſt, den Stoff der pſychologiſchen Wiſſenſchaft ſo zu geſtalten, daß der chriſtliche Glaube ſein gebührendes Recht behält, unterdeß Vernunft und Erfahrung gleicher Weiſe ihre Huldigung nicht verſagen können.

1) Der Grundſatz der Offenbarungs⸗ oder Schriftmäßigkeit erſcheint deßhalb bei Be⸗ handlung der Pſychologie an Schullehrerſeminarien vor allen Dingen platzgreifend.

Die Quelle, woraus die Wiſſenſchaft der Seelenlehre ihren Stoff zu ſchöpfen hat, iſt unbeſtritten das eigne Selbſtbewußtſein in Verbindung mit der Erfahrung, welche ringsum aus Vergangenheit und Gegenwart zu uns redet. Wäre nun das menſchliche Selbſt⸗ bewußtſein, dieſer innerſte Kern und Herd aller menſchlichen Lebensentfaltung, ein ganz unge⸗ trübtes, unverkümmertes und normales, ſo daß in ihm auch das ganze Gebiet der Erfahrungen ſich treu wiederſpiegelte, dann dürſte wohl dieſe Quelle genügend ſein. Da aber, wie der Un⸗ fug in der Pſychologie ſelbſt beweiſt, das menſchliche Selbſtbewußtſein ein in Selbſtvergeſſenheit kränkelndes und verkümmertes iſt, in Folge deſſen auch das Gebiet der Erfahrung für uns un⸗ klar, nebelhaft, wirr und irreleitend geworden iſt; ſo muß eine Quelle zugezogen werden, deren Ausfluß Klärung, Sichtung und Correctur in das aus jenen Quellen Geförderte hineinbringt, wie etwa das Licht des Sonnenſtrahls in den trüben Dunſthimmel. Dieſe klärende Quelle kann aber keine andere ſein, als die Offenbarung der heiligen Schrift, dadurch dem Menſchen nächſt Gott grade der Menſch ſelbſt zur rechten Erkenntniß gebracht werden ſoll. Iſt in der heiligen Schrift um der Menſchen willen der Menſch gezeichnet nach ſeinem Weſen, ſeinem Urſprunge, ſeinem Unweſen und ſeiner Beſtimmung, wie er ſein ſoll und war, iſt und werden ſoll; iſt in der heiligen Schrift der vollkommene, gottgerechte Menſch der Mittelpunkt, um den ſich Ailes dreht, und in welchem allein das Weltheil zu erwarten ſteht; ja iſt endlich nach der Offenbarung der heiligen Schrift ſogar der ſeiner Idee vollkommen entſprechende Menſch(der rechte Adam, der Menſchenſohn) weltgeſchichtlich erſchienen, Allen zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlöſung: Dann muß es doch in der That als die größte Thorheit, ja als ein verderblicher Frevel erſcheinen, von den anthropologiſch⸗pſychologiſchen Grundlehren der Bibel bei der Geſtaltung einer Wiſſenſchaft vom Menſchen abſehen zu wollen. Der Grund⸗ ſatz der Schriftmäßigkeit erſcheint alſo ganz nothwendig und unabweislich bei Behandlung der Pſychologie an Schullehrerſeminarien obenanſtehend.

Welches aber ſind nun insbeſondere die oberſten und wichtigſten Offenbarungsſätze, welche die heilige Schrift bezüglich des Menſchen und ſeinet Natur darreicht?

Von vorn herein iſt da wohl anzuerkennen und feſtzuhalten der ſo vielfach vergeſſene, all⸗ gemeinſte bibliſche Offenbarungsſatz von der Dreieinheit der menſchlichen Natur. Nach der Offenharung der heiligen Schrift iſt der Menſchin ſeiner Art geſchaffen als ein Weſen,