Aufsatz 
Homilie über die Bergpredigt. Matth. Kap. 5-7.
(Luk. 6, 20-49)
Entstehung
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der Noth Gotte ein Gelübde, gelobe ſeinem Tempel, d. b. ſeinen bochwürdigſten Die⸗ nern, eine Opfergabe; Gottespflicht geht vor Menſchenpflicht, Gelübde löſen einen all⸗ täglichen Eid, und du biſt deines dich reuenden Contractes quitt. Dieſem beilloſen, alle Begriffe von Eid untergrabenden, die Menſchen entſittlichenden Unfuge tritt Chri⸗ ſtus mit voller Entſchiedenheit gegenüber und ſpricht:Ich aber ſage euch, daß ihr aller Dinge nicht ſchwören ſollt, weder bei dem Himmel, denn er iſt Gottes Stuhl, noch bei der Erde, denn ſie iſt ſeiner Füße Schemel, noch bei Jeruſalem, denn ſie iſt eines großen Königs Stadt. Auch ſollſt du nicht bei deinem Haupte ſchwören, denn du vermagſt nicht ein einziges Haar weiß oder ſchwarz zu machen. Eure Rede ſei: Ja, ja! Nein, nein! Was darüber iſt, das iſt vom Uebel., Schwur iſt Schwur, Eid iſt Eid, er geſchebe, wie er wolle, iſt allezeit bedenkliche Hereinziehung der Majeſtät Gottes in zeitlichen Staub und menſchliches Sündengetriebe. Wer hat Recht, das zu thun, wer Befugniß, ſolche Schwüre zu fordern? Wer hat ſolches Vertrauen zu ſeinem Wahr⸗ beitsblicke und ſeiner Wahrbheitstreue, daß er die ewige Wahrheit aus der Höhe zu be⸗ ſchwören Muth hat? Im wahrhaftigen Gottesreiche gibt's keine Eide, nur Gebete, weil keine Sünde, keine Lüge, kein Hader und keine Heuchelei, weil die gebührende Ehrfurcht vor Gott und rechte Liebe zu ſeinem Geiſte vorhanden ſind. Was darum über das Ja und Nein hinausgeht, zeuget und ſtammet immer von dem Argen. Muß darum einer ſchwören, von ſeiner Obrigkeit geheißen, die nun einmal ſtehet an Gottes Statt, dann thue er es nicht anders, als mit Demuth, Wehmuth und Bußſchmerz über die Entartung der Welt, die noch ſo weit vom Reiche Gottes, von der Wahrheit ent⸗ fernt iſt.

Fünftes Beiſpiel.Ibr babt gebört, daß da geſagt iſt: Aug' um Auge, Zabn um Zahn. Damit hat Moſes das Geſetz der Gerechtigkeit in ſtrengſter Schärfe aufgeſtellt und das ſtrenge Vergeltungsrecht aufgerichtet, aber nicht um der menſchlichen Rachſucht einen Vorſchub zu leiſten, ſondern um der Rohheit ſeiner Zeit womöglich einen Zaum anzulegen. Wer darum geneigt iſt, die Selbſtrache aus Moſis beiligem Geſetze zu rechtfertigen, dem muß in chriſtlichem Geiſte das Verge tungsrecht ausgelegt und nachdrücklich geſagt werden: Auf einen groben Klotz gehört ein um ſo ſcharferer Keil, nämlich der Alles weich machende Strahl der Liebe; mit Güte iſt das

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