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unſerer tauſendgliederigen Sinnlichkeit ſich mit ungeſtümer Begier der Anmaßung zum Herrn erheben über den Geiſt; o dann haben wir zu eilen, daß dieſer Trieb nicht zur fieberhaften Sucht anwachſe und nicht in ſtarre Leidenſchaft ausarte, dann haben wir zu kämpfen mit aller Macht, daß wir nicht in Sklaverei und Seelentod gerathen, dann muß der unvernünftige Feind in uns mit allem Kraftaufwande des innerſten gottge⸗ ſchaffenen Menſchen total von uns niedergekämpft werden, aufdaß wir unſer ewiges Leben retten. Lieber vollends einen Fleiſchesſinn verläugnen und gar nicht mehr ihn befriedigen, als im wilden Toben diees Sinnes zu Grunde gehen. Verfleiſchlicht ſin⸗ ken wir hinab in Unnatur; Unmenſchen aber verfallen jenſeits einer unſäͤglichen Pein der Läuterung an dem bölliſchen Orte abwärts der Erde, unterdeß doch nach Oben zum Beſſern und Schönern dem Erdenſohne der Weg gewieſen iſt. Beſſer alſo, hier käm⸗ pfen, entbehren, dulden und das Kreuz der Selbſtverläugnung tragen mit Chriſto, als dereinſt verloren gehen. Aus dem fleiſchernen Herzen kommen arge Gedanken, Mord, Ebebruch, Hurerei u. ſ. w.; mit Chriſto kreuzigen das Fleiſch, Chriſti Fleiſch und Blut genießen und auf den Geiſt ſäen, das geſundet das Herz, das iſt Geſetzeserfüllung, ſchaffet Frucht der Gerechtigkeit und führt in das Reich des Lebens.
Drittes Beiſpiel.„Es iſt auch geſagt: Wer ſich von ſeinem Weibe ſchei⸗ det, der ſoll ihr geben einen Scheidebrief. Ich aber ſage euch: Wer ſich von ſeinem Weibe ſcheidet(es ſei denn um Ehebruch), der machet, daß
ſie die Ehe bricht, und wer eine Abgeſcheidete freiet, der bricht die Ehe.“" Der Gottesmann Moſes hat ſeiner Zeit die Eheſcheidung zwar nicht ausdrücklich ver⸗ boten, aber auch nicht ausdrücklich erlaubt; das geht aus der geſetzlichen Anordnung des vor Gericht niederzulegenden Scheidebriefes im Falle eines ſchandbaren Umſtandes hervor, wodurch einer Wildheit im Ebe⸗Schließen, Führen und Auflöſen geſteuert wer⸗ den ſollte, welche zur Zeit bei der Herzenshärtigkeit des Volkes noch nicht völlig und von Grund aus zu beſeitigen war. Dieſe Herzenshätigkeit, wie ſehr ſie auch bis zur Stande noch vorhanden, und wie ſehr auch noch fortwährend mit dem Scheidebriefe, mit der gerichtlichen Scheidung, unheiliger Unfug getrieben wird, ſoll enden; darum erklärt Chriſtus: Die Ebe, dieſer in das tiefſte Geheimniß des Lebens eingreifende, hei⸗ lige Leibes⸗ und Seelenbund, der uranfänglich vom Schöpfer zu Nutz ſeines Reiches geordnet ward, iß unauflöslich, darum die Löſung des Ehebundes durch Menſchen 2


