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ihnen zu modeln und zu deuteln ein Frevel iſt, welcher ebenſoſehr der gebühren den Demuth des zu erziehenden Menſchen widerſtreitet und denſelben entehrt, als er die Vollendung des Erlöſungswerkes Gottes bindert. Nicht anders, als nach den im al⸗ ten Teſtamente ausgeſprochenen Offenbarungen, Geſetzen und geſtellten Ausſichten, wird das Schickſal der Welt und das ganze Werk der Welterlöſung ſich erfüllen; mit un⸗ bedingter Ehrfurcht des Glaubens und erlöſungsbefliſſenem Gehorſamseifer ſind darum Moſes und die Propheten zu ehren.„Denn ich ſage euch wahrlich, bis daß Himmel und Erde zergehen, wird nicht zergehen der kleinſte Buchſtaben, noch ein Titel vom Geſetze, bis daß es Alles geſchehe. Wer nun eins von dieſen kleinſten Geboten auflöſt und lehret die Leute alſo, der wird der Kleinſte heißen im Himmelreiche; wer es aber thut und lehret, der wird groß heißen im Himmelreiche., Da mögen ſich die byperkritiſchen, ſuper⸗ klugen, reichsrevolutionären Schriftmäkler ſpiegeln und zum Selbſtbewußtſein kommen. Wer die Schrift nach ihrer göttlichen Größe reſpektirt, ſie auszulegen und in ihr zu forſchen den ächten Tieb hat, der hat zum Mäkeln keine Luſt. Nichts anderes, als Mäkelei, übermüthige eigenliebige Sinnesverdrehung, und doch dabei heillos unver⸗ nünftige Buchſtabenkrämerei war das Schriftgelehrtenweſen der Phariſäer. Wie ganz anders lehrte Chriſtus ſeine Apoſtel leſen und zitiren das alte Teſtament! Jede Buch⸗ ſtabenvergötterung war Chriſto, dem Manne des freien Geiſtes, ein Gräuel, weil ſie geiſttödtend zu einer ganz werthloſen und endlich heuchleriſchen Buchſtabengerechtigkeit hinführt, auch, ſtatt den Schriftgehalt im Worte zu ſchützen, ihn erſt recht der will⸗ kührlichſten Mißhandlung preisgibt durch allerhand nöthig werdende Zuſätze beſchrän⸗ kender und erweiternder Art. So iſt denn die Bibelauslegung im Sinne Jeſu eine freie und doch eine gebundene, eine kritiſche und doch zutrauensvolle, eine überaus ver⸗ nünftige und doch gläubige, ſtets auf die Praris berechnet. Die demüthige, ehrfurchts⸗ volle Heilsbegier macht die freie Bibelforſchung des Chriſten immerdar zu einer poſi⸗ tiven und gottgefälligen. Darum erwächſt dem chriſtlichen Schriftforſcher aus dem die heilige Schrift durchwehenden Geiſte die rechte Gerechtigkeit, nicht die Geſetzesgerechtig⸗ keit, die dem Gebote des Buchſtabens genügen will und vom ſtarren Buchſtaben ge⸗ richtet wird, ſondern die Glaubensgerechtigkeit, die der gläubigen Buße entkeimt und geiſtlich gerichtet wird in Chriſto, dem Verſöhner. Im Betruge der Geſetzesgerechtig⸗


