Aufsatz 
Homilie über die Bergpredigt. Matth. Kap. 5-7.
(Luk. 6, 20-49)
Entstehung
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Geiſt. Die ihn genommen haben im Glauben, die dürfen nicht ruhen, die müſſen ſchaffen von Innen getrieben im Namen des Herrn, die müſſen überall hinarbeiten un⸗ ter den Menſchen auf die neue Geburt, daß das Reich Jeſu wirklich eine Wahrheit werde, wie ja der Geiſt ſelber die alleinige Wahrheit iſt. Leuchtende Lichtträger müſ⸗ ſen alle Kinder des chriſtlichen Glaubens ſein, Werke des Geiſtes müſſen ſie offenbaren in Wort und Wandel, auf daß ohne Unterlaß neue Genoſſen des Reiches der Wahr⸗ heit gewonnen werden, Lebendige, die im Sohne dem Vater die rechte Ehre geben.

Soweit der erſte Theil der Bergpredigt. Da Chriſtus nun zunächſt zu Juden ſprach, welche bei Ankündigung der neuen Ordnung des Lebens in Hinſicht auf Got⸗ tesverehrung leicht hätten den Gedanken faſſen können, die heilige Schrift alten Teſta⸗ ments habe ſie bisher nicht richtig geführt und verloͤre nunmehr ihre Autorität; ſo begegnet er gründlich dieſem gefährlichen Irrthume, und läßt ſich weiter aus über das Verhältniß des alten zum neuen Teſtamente, oder umgekehrt, mit den Worten:Ihr ſollt nicht wähnen, daß ich kommen bin, das Geſetz oder die Propheten aufzulöſen; ich bin nicht gekommen aufzuloͤſen, ſondern zu erfüllen. Geſetz und Propheten, d. h. die in dem alten Teſtamente zur Schrift gewordenen Of⸗ fenbarungen, Gebote und Geſchichten, ſind für Israel und darum für das geſammte Menſchengeſchlecht von weſentlichem Werthe und bleibendem Gewichte, weil ſie einmal für allemal dem heiligen Gange der Erziehungsweisheit Gottes angehören, in welchem die Menſchheit unter Vermittelung Israels, und obne die freie Entwickelung aufzu⸗ heben, zu ihrem Heile zurückgebracht werden ſoll. Moſes und die Propheten als ge⸗ heiligte Werkzeuge Gottes haben erzieheriſch nur auf Den zugearbeitet, der endlich mit der Fülle des Heiles vom Himmel erſcheinen ſollte. Auf dem alten Teſtamente, als auf ſeines Werkes eignem, ewigem Fudamente, ſteht darum der Weltheiland, und er iſt in Wahrheit der Vollender deſſen, was ſelber die Keime der nachmaligen Vollen⸗ dung in ſich trägt. Heilige Schrift, fährt dann Chriſtus weiter fort, Gottes Wort, in ſich vollendet und fehlerlos, obſchon minder auseinandergefaltet nach Maßgabe der alten unreifen Zeit, iſt das ganze alte Teſtament, und ſelbſt die Worte oder Buchſta⸗ ben, in denen es ſich nun einmal unter Mitwirkung des beiligen Geiſtes feſtgeſtellt hat, ſind der menſchlichen Willkühr gegenüber ein unwandelbares Heiligthum, ſodaß an