Aufsatz 
Homilie über die Bergpredigt. Matth. Kap. 5-7.
(Luk. 6, 20-49)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

9

desſelben und darum die Inhaber davon, ſodaß ihnen recht eigentlich der Himmel an⸗ gehört, und die neue Erde ihr Erbe ſein wird. Die den Himmel des ſanften, ſtillen Geiſtes Gottes im Herzen haben, denen gehört das Reich, das Gott erſchaffen, mit dem Vollgenuſſe aller ſeiner Güter, das Reich, in das der Weltheiland auch die Erde wieder umwandeln wird. Leidenſchaft wird gebrochen werden, Sanftmuth ſoll regieren. Seelig ſind die Sanftmüthigen, denn ſie werden das Erdreich beſitzen. Das Eine nur, was die im Geiſte Gottes Stillen mit unerſättlicher Begier erſtreben und erkämpfen, iſt die Wiederherſtellung zum Bilde Gottes, das Gerechtwerden vor Gott; und dieſer Sehnſucht, dieſem Trachten, dieſem Eifern bleibt die gnädige Bei⸗ hülfe vom Vater der Liebe nicht aus; den Glaubensnimmerſatten, den Himmelsbettlern und Gottesfrriern hat der Vater der Wahrhaftigkeit das Wort gegeben, den Sohn geſandt und den Geiſt verſprochen, im Glauben an Chriſtum werden ſie gerecht. Seelig ſind, die da hungert und dürſtet nach der Gerechtigkeit, denn ſie ſollen ſatt werden. Die Weltſatten verderben am Geiſte und verhungern an der Seele; in der weltlichen Sinnenbefriedigung verthieret und geht unter das Menſchen⸗ geſchlecht. Die neugeborenen Kinder des Geiſtes, die de⸗- und wehmüthig überall und immerdar nach dem allbelebenden Geiſte aus der Höhe ſchmachten, die ſich in al⸗ lem Ernſte unendlich hilfebedürftig fühlen, ach die ſind ſtets geneigt, herablaſſend, theil⸗ nehmend, dienſtfertig und mitleidig zu ſein gegen jedermann, beſonders die Niedrigen und Armenz denn ihnen iſt das harte Herz vergangen, das Hochfahren leid worden, das Lieben und Wohlthun Bedürfniß. Wen hungert nach der Gotteshülfe im eignen Herzen, der kann nicht mehr zurückhalten mit ſeiner Hülfe, die er im Vermögen hat, wo ein Lazarus liegt oder ein Blinder ſitzt. Solch ein linder, leutſeeliger, barmherzi⸗ ger Sinn decket der Sünden Menge, macht der Allbarmherzigkeit im Himmel ähnlich, macht die Erde zu einem Hauſe Gottes und erfährt Erbarmung von Oben.Seelig ſind die Barmherzigen, denn ſie werden Barmherzigkeit erlangen. Der Sinn der erbarmenden Liebe iſt für den Menſchen ein heiliges Feuer, welches das Herz und die ganze Ratur verkläret, ſie kindlich macht, von aller kalten, kleinlichen, weltli⸗ chen, klüglichen Berechnung eines trügeriſchen Gewinnes abzieht und reiniget vom Böſen. Solche Bruderherzen ſind dem Heiland Emanuel recht, in ſie kann er ſein Heil einführen und ſie zu geweihten Gottestempeln machen.Seelig ſind, die rei⸗ 21