Aufsatz 
Homilie über die Bergpredigt. Matth. Kap. 5-7.
(Luk. 6, 20-49)
Entstehung
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Grundbedingung einer Neubelebung für kränkelnde Seelen. Nur wann der Menſch von Gottes Geiſte ſich in ſeiner Seele verlaſſen weiß und fühlt, nur dann iſt für ihn die Möglichkeit vorhanden, die Lebenseſſenz und Lebenswiederherſtellung durch den Heiland Gottes zu empfangen. Die da meinen, ſie ſeien völlig, wie ſie ſein ſollen, die ſich reich und ohne Mangel meinen, die haben ihren Troſt dahin, dieſen Blinden fehlt die Handhabe, fehlt alle Empfänglichkeit für die Zuſprache, für die Zulage von Oben, die der Erlöſer geben ſoll. O wäre doch der Sinn für das Weſenhafteſte al⸗ les Weſens, was freilich unſichtbar iſt, nicht ſo gewaltig abhanden gekommen! Wäre doch das Gefühl der Armuth am heiligen Geiſte nicht ſo ſelten geworden! Mit welch einer eifrigen Begier würde man zulangen nach dem einigen Mittler, der die Armen reich machet im Geiſte! Wie aus der demüthig geglaubten und empfundenen Ar⸗ muth heraus, ſo durch den Bußſchmerz wehmuthsvoller Trauer hindurch entfaltet ſich die Wiedergeburt der Menſchenſeele; die göttliche Traurigkeit iſt das Geburtswehen des neuen göttlichen Lebens für uns Menſchen, die wir alle geſündiget haben vor Gott, und in unſern Sünden arm und elend geworden ſind. Schmerz des Schuldbewußt⸗ ſeins und Schuldgefühls, ſchmerzliche Reue über den Abfall vom Vater und Miß⸗ brauch des Lebens, bittere Trauer über den Verluſt des Beſten, herzinnerliche Traurig⸗ keit über das ſelbſtverſchuldete Kränkeln und Losgelöſtſein vom bimmliſchen Weinſtocke, Seelenſchmerz der Zerknirſchung, der die Welt nicht anſehen mag und jammert: Va⸗ ter, ich habe geſündiget in den Himmel und vor Dir! das iſt das Fruchtwaſſer für den Keim des neuen Lebens in der Chriſtenbruſt, der heilige Bußſchmerz iſt das im Innern ſchaffende Lauterungsfeuer, das die Schlacken auswirft und Bahn macht dem grundgründlichen leibhaftigen Troſte vom Himmel, deſſen alsbaldiger Ausdruck eine heilige Freude iſt.Seelig ſind, die da Leid tragen, denn ſie ſollen getröſtet werden. In den Weltluſtigen keimt keine Buße, in ihrem Gelächter erſtirbt die Seele und geht der Ernte des tauben Fleiſches, dem Weinen des Todes entgegen. Feierlicher Ernſt hat in den Bußbetrübten allen wilden begehrlichen Lei⸗ denſchaften, welche die Seele verwirren und die ganze Welt verwirren, die Wurzel abgeſchnitten, bußtraurige Menſchen ſind mild und ſanft geworden, es ſind nicht mehr die Unruhigen, ſondern die Stillen im Lande, in ihnen baut ſich ohne Rumor, doch feſt und ſicher, das neue Reich des Lebens, das Reich des Herrn, ſie ſind die Träger