Aufsatz 
Homilie über die Bergpredigt. Matth. Kap. 5-7.
(Luk. 6, 20-49)
Entstehung
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Bei Lukas übrigens hätten wir ſonach die Bergrede Jeſu in ihrer urſprünglich⸗ ſten Geſtalt zu ſuchen. Der Gedankeninhalt dieſer Rede iſt kurz der: Als Heiland, der alles Elend der Welt zu beilen gekommen, tritt Chriſtus auf und kündigt das mit ihm bereits bereingetretene Heil an, und zwar als ein Heil, das aus heilsbefliſſe⸗ nen Herzen erwächſt und von da aus das Unheil aufhebt; die im Fleiſchlichen und in des Fleiſches Genüge das Heil ſuchen oder finden, ſind Heilsunbefliſſene, dem Unheile verfallen. Luk. Kap. 6, V. 20 26. Heilige, bußfertige, zu allen Opfern bereite Liebe, die aus chriſtgläubigem Herzen quillt, iſt jenes übeltilgende, die Welt neu ſchaf⸗ fende, den Menſchen Gott ähnlich, ſeelig machende Heilselement: V. 27 36. Die Uebung dieſer Liebe iſt des Menſchen rechte, im Erlöſer mit Gott ihn ausſöhnende, Buße, welche ihn ſelbſt zu einem verdienſtlichen Meiſter und Erzieher ſeines Geſchlech⸗ tes erbebt, zu einem im Reiche Gottes wirklich nutzbaren, geſchätzten und ſeeligen Gliede. V. 37 46. Klug, wer das beachtet und mit Jeſu des Erzmeiſters Hülfe das bethätiget; er nur bauet ſicher ſeine Seeligkeit. V. 47 49. Direſe einfache Ermahnung zu der aus dem chriſtlichen Glauben ſtammenden, Seeligkeit ſchaffenden Liebe hat der Evangeliſt Matthäus bezüglich mannichfaltiger wichtiger Lebensver⸗ bältniſſe, in denen ſich der Menſch auf Erden bewegt, mit manchen anderweitigen Leh⸗ ren Jeſu erweitert. Nehmen wir vorerſt einen faßlichen Ueberblick.

Um Neugeburt aus Gott und Verklärung in Gottes Geiſt, um Seeligkeit bandelt es ſich bei der verheißungsgemäßen Sendung des Meſſias; dieſe alles Uebel überwin⸗ dende Seeligkeit wächſt aus der menſchlichen Geiſtesarmuth heraus, welche den Chriſtus als den Lebendig⸗ und Seeligmacher mit Inbrunſt ergreift und ihm lebet mit Entſchie⸗ denheit. Chriſtusjünger ſolcher Art ſind die Erlöſten, die Seeligen in allem Erden elende, ſind die ſegnenden Fürſten der Menſchheit auf dem Gebiete des Reiches Gottes. Matth. Kap. 5, V. 1 16.(Luk. 6, 20 26.) Dieſe die Welt regenerirende Chriſtus⸗ verbrüderung und Gotteskindſchaft ſoll die im Volke Israel geordneten göttlichen Heils⸗ anſtalten nicht auflöſen, denn dieſe haben ewige zuchtmeiſterliche Bedeutung, das neue Teſtament aber wird ſie zum Ziele führen und aus den unentwickelten Keimen oder erſtarrten Formen des jüdiſchen Gottesſtaates das Gottesreich der Freiheit, des Glau⸗ bens und der Glaubensgerechtigkeit entwickeln, indem die chriſtlichen Reichsgenoſſen

in heiliger Liebe aus herzlichem Glauben zur Gottähnlichkeit ſich emporſchwingen.