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auch, ohne untreu zu werden, den Reichthum jenes Heldenlebens überſichtlich nach verſchiedenen Geſichtspunkten zuſammenfaſſen und ſo hergerichtet ihn den Leſern darrei⸗ chen; und ſo ſcheint es Mathäus mit der Galiläiſchen Thätigkeit Jeſu gethan zu ha⸗ ben, indem er nach einer ſich ſelbſt vorgeſtellten Ordnung(Kap. 4, V. 23— 25) zuerſt die Grundlehren Jeſu Kap. 5—7, dann die bedeutſamſten Wunderthaten Jeſu Kap. 8 u. 9, endlich Kap. 10—18 die wichtigſten Reſultate des Wirkens Jeſu in Galiläa überſichtlich vorträgt. Lukas hingegen ſuchte, ſeinem Verſprechen Kap. 1, V. 3 u. 4 gemäß, die Thatſachen des Lebens Jeſu möglichſt treu nach der ur⸗ ſprünglichen Aufeinanderfolge mitzutheilen, was er in unwillkührlicher genauer Ueber⸗ einſtimmung mit dem Evangeliſten Markus vollführte. Schon daraus wird es wahr⸗ ſcheinlich, daß wir auch die Bergpredigt unſeres Herrn in ibrer urſprünglicheren Ge⸗ ſtalt bei Lukas zu ſuchen haben. Noch wahrſcheinlicher wird das, wenn man bedenkt, daß ſo tiefe Lehren, wie ſie die Bergpredigt umfaßt, wohl ſchwerlich einer noch gar nicht chriſtlich zubereiteten Volksmenge von Chriſto werden vorgetragen worden ſein, daß vielmehr, nachdem Chriſtus die Hälfte ſeines Wirfens auf Erden vollbracht hatte, und nun eine Auswahl von zwölf Apoſteln getroffen werden konnte, daß da erſt mit Segen jene chriſtlichen Reichsgrundſätze in das Volk hineingerufen werden konnten. Nimmt man noch hinzu, daß die Bergpredigt in der Geſtalt bei Lukas weit einfacher, kürzer und nach ihren fortſchreitenden Ideen leichter zu überſehen iſt, während die Bergpredigt in der Geſtalt bei Matthäus des Mannichfaltigen, ſcheinbar Unzuſammen⸗ hängenden zu Vieles enthält, als daß annehmbar wäre, Chriſtus, der kurz und bün⸗ dig zu reden pflegte, habe ſie ſo gehalten; dann wird es mehr als wahrſcheinlich, Matthäus habe, an Jeſu berühmte Bergpredigt ſich anhaltend, ein möglichſt umfaſſen⸗ des Lehrgebäude des neuen Teſtamentes mittelſt anderweitiger, aus Jeſu Munde ge⸗ floſſener Worte zum nachdenkensvollen Leſen(nicht zum Hören) überſichtlich zuſammen⸗ gefügt und dasſelbe ſogleich der ganzen Erzählung von der Amtsthätigkeit Jeſu vor⸗ angeſtellt. Wir ſind alſo auch hierfür unſerm Matthäus vielen Dank ſchuldig, hätten in der That nicht die geringſte Urſache, ſeiner Apoſtel- und Evangeliſtentreue zu miß⸗ trauen, zumal wann wir inne würden, mit welcher vorzüglichen Meiſterſchaft er ſeine Aufgabe gelöſt hat. An den Faden ſeiner Worte ſoll ſich darum auch unſere erbau⸗ liche Betrachtung der Bergpredigt anſchließen.


