Aufsatz 
Homilie über die Bergpredigt. Matth. Kap. 5-7.
(Luk. 6, 20-49)
Entstehung
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Homilie über die Bergpredigt. Matth. Kap. 57. (Luk. 6, 20 49.)

Bergpredigt, dieſes Wort brauche ich blos auszuſprechen, und ich halte mich einer allgemeinen Theilnahme zu dem, was bier gegeben werden ſoll, verſichert. Iſt ſa doch die ſ. g. Bergpredigt dasjenige Lehrſtück, in welchem der Weltheiland ſo ziem⸗ lich die Hauptſumme aller Grundſätze und Grundgebote ſeines die Welt erlöſenden Rei⸗ ches zuſammengefaſſet hat.

Die Ueberlieferung der Bergpredigt verdanken wir den beiden Evangeliſten Mat⸗ thäus und Lukas. Matthäus eröffnet mit ihr ſeine Erzählung der öffentlichen Thä⸗ tigkeit Jeſu und läßt ſie durch drei Kapitel in mehr als hundert Verſen dahinfließen; Lukas läßt ſie in kaum dreißig Verſen ungefähr fünf Vierteljahre ſpäter von Chriſto gebalten werden, als derſelbe eben aus ſeinen Anhängern zwölf Buſenfreunde ſich aus⸗ gewählt batte und nun im Begriffe ſtand, das in das zweiunddreißigſte Jahr ſeines Lebens fallende Purimfeſt in Jeruſalem zu beſuchen. Das ſind auffallende Verſchie⸗ denbeiten. Zwar zweifelt kaum jemand, daß die Bergpredigt, welche Lukas mittheilt, dieſelde ſei, die auch Matthäus mittheilt, weil Anfang und Schluß, Hauptſprüche und Gedankengang, Umſtände und Platz, wo ſie vorgetragen worden, beiderſeitig ganz die⸗ ſelben ſind; aber der Freund der Evangeliſten will doch gerne jene vorhandenen Ver⸗ ſchiedenheiten mit der Wahrheitstreue der beiden Erzähler im Einklange wiſſen und moͤchte auch gerne dem urſprünglichen Sachverhalte der Bergpredigt möglichſt nahe kommen. Nun, die Sache iſt, näher geprüft, ſo unverfänglich, wie nur etwas von der Welt. Ein Lebensgeſchichtſchreiber braucht ja doch nicht immer das Leben ſeines Helden am Faden der aufeinander gefolgten Tage abzuſpinnen, er darf doch wohl

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