— 60—
III. Chronik der Anstalt.
Auch das abgelaufene Schuljahr ist für die Entwicklung der Klinger-Ober- realschule recht bedeutsam gewesen. Die vorauszusehende sehr starke Frequenz der beiden Obersekunden hatte den Direktor schon am Schluß des Schuljahres 1901/02 veranlaßt, die Aufmerksamkeit der vorgesetzten Behörden auf den Umstand zu lenken, daß zu Ostern 1903 die Schüler nicht in einer Unterprima vereinigt werden könnten. Beim Beginn des Semesters betrug die Zahl der Obersekundaner 54, daher stellte der Unter- zeichnete den Antrag, eine der sechsklassigen Realschulen zur Oberrealschule auszubauen. Da für die Bedürfnisse einer Oberrealschule bei der zunächst in Betracht kommenden Adlerflychtschule größere bauliche Veränderungen notwendig gewesen wären, so be- schlossen die städtischen Behörden, keine neue Oberrealschule zu gründen, sondern die Teilung der Prima an der Klingerschule eintreten zu lassen und den nötigen Raum für die neuen Klassen durch die allmähliche Verlegung der einen Vorschul- abteilung nach der Adlerflychtschule zu gewinnen. Dieser Beschluß fand auch die Zustimmung der staatlichen Behörden. Es wird demnach Ostern 1903 eine doppelte Unterprima eingerichtet werden, dafür aber nur eine dritte Vorschulklasse bestehen. Die nach dem Tode des Herrn Leimbach erledigte Elementarlehrerstelle war nur provisorisch durch Herrn Deniger versehen worden, es ist deshalb die Versetzung eines Lehrers nicht notwendig. In die durch die Teilung der Unterprima neu geschaffenen Oberlehrerstellen sind die Herren Oberlehrer K. Sch wab*) aus Krefeld und Dr. K. Lincke**) aus Dresden berufen. Eine dritte Stelle konnte z. Z. noch nicht be- setzt werden. Die begonnene Organisation wird Ostern 1904 durch Teilung der Ober- prima ihren Abschluß finden und dann die Klinger-Oberrealschule aus einer doppelten
*) Karl Schwab, geboren den 16. Februar 1861 zu Wiesbaden, besuchte zuerst die ehemalige Realschule zu Höchst a. M., dann die frühere höhere Gewerbeschule zu Frankfurt a. M. Nach der an dieser Anstalt bestandenen Abgangsprüfung besuchte er, in der Absicht Ingenieur zu werden, zwei Semester die technische Hochschule zu Darmstadt, dann noch eineinhalb Jahre die Prima der Musterschule zu Frank- furt a. M. und bestand hier Ostern 1881 die Reifeprüfung. Hierauf studicrte er an der Kaiser-Wilhelms- Universität zu Straßburg Mathematik und Naturwissenschaften, bestand im Juni 1885 die Prüfung für das höhere Lehramt, genügte vom 1. Oktober 1885 bis 1886 seiner Militärpflicht und legte dann an der Muster- schule zu Frankfurt a. M. das Probejahr ab. Nach Beendigung desselben wurde er an dieser Anstalt bis Ostern 1889 beschäftigt, trat hierauf als wissenschaftlicher Hilfslehrer in den Lehrkörper der Oberreal- schule zu Krefeld ein, wurde zwei Jahre später zum ordentlichen Lehrer ernannt und wirkte als Oberlehrer an dieser Anstalt bis zum 1. April 1903.
**) Kurt Alexander Lincke, geboren den 9. März 1864 in Crimmitschau, besuchte erst die Realschule seiner Heimatstadt, dann das Realgymnasium zu Zwickau, studierte von 1882— 87 neuere Sprachen in Leipzig und Erlangen, promovierte im Dezember 1885 in Erlangen und bestand im Februar 1887 das Examen pro facultate docendi in Leipzig. Er war zunächst(Ostern 1887 bis Ostern 1889) als Hauslehrer tätig, und zwar je ein Vierteljahr in Bremen und Guernsey, vorübergehend in Bournemouth und nahezu eineinhalb Jahre in London. Ostern 1889 übernahm er zur weiteren Ausbildung im Englischen eine Stelle als Assistant Master an Heidelberg College in Heidelberg, wo er zwei Jahre lang englische Knaben aus- schließlich in ihrer Muttersprache unterrichtete. Von Ostern 1891— 93 wirkte er an der Müller-Gelinekschen Privatrealschule in Dresden, 1893— 94 an der städtischen Realschule in Chemnitz i. Sa. und 1894— 1903 an der Dreikönigschule in Dresden, dem ersten sächsischen Reformrealgymnasium. In diesen Stellungen blieb er in fortwährender lebhafter Berührung mit dem Ausland. Er verbrachte wiederbolt die Ferien auf


