Aufsatz 
Festschrift der Oberrealschule zu Gießen 1837-1937 / Hrsg. von Hugo Leonhardt und seinen Mitarbeitern
Entstehung
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tigungen bieten könne. Dazu kämen auch politiſche Gründe, da gewiſſe, damals mächtige Kreiſe, der Anſicht ſeien, ein ungebildetes volk ſei leichter zu regieren, als ein gebildetes.(Die Jahre nach 1848/49 ſind die Zeit der politiſchen Reaktion nach der verunglückten Volkserhebung von 48/49). Eine weitere ungünſtige Rückwirkung auf das Anſehen der Schule in der Bevölkerung ſei auch aus der Tatſache zu erklären, daß vielfach geſcheiterte Gumnaſiaſten in die Realſchule einträten.

Seinem Gutachten legte Stein eine Vorſtellung des Lehrerkollegiums um eine oͤringend notwendige Gehaltserhöhung bei mit der Bitte, den Direktor der Schule anzugehen, darauf hinzuwirken, daß der Schule gewiſſe Berechtigungen verliehen würden, namentlich die Zulaſſung ihrer Abiturienten zur Aniverſität und zu den Fachklaſſen der Polg⸗ techniſchen Schule(heutige Techniſche Hochſchule). Auch der Direktor Dr. Braubach wurde nun zur Abgabe eines Gutachtens an die Stadt⸗ verwaltung aufgefordert. Er äußerte ſich im ſelben Sinne wie Dr. Stein und bezeichnete vor allem einen Schulhausneubau als nötig, ebenſo das Aufhören der von einigen Stadtratsmitgliedern aus⸗ gehenden Anfeindungen der Schule und forderte Herſtellung engerer Beziehungen zur Volksſchule. Welcher Art jedoch dieſe engeren Ver⸗ bindungen ſein ſollten, läßt er unerörtert, es iſt aber anzunehmen, daß es ſich um zweckmäßige Anpaſſung des Lehrſtoffs der Volksſchule an den der Realſchule handelt.

Mit der Beſſerung der wirtſchaftlichen Lage wuchs von 1852 an die Schülerzahl wieder langſam, aber ſtetig, ſo daß ſich die Notwendigkeit eines Neubaues immer oͤringender geltend machte. Dieſer Einſicht entzog ſich der Stadtrat nicht mehr. Das neue Realſchulgebäude wurde

1. Der Direktor bezog ein Gehalt von 1000 Guloͤen, die Reallehrer ein ſolches von 800-600 Gulden. Das war gewiß, auch für damalige verhältniſſe, keine üppige Bezahlung! Das niedͤrigbemeſſene Schulgeld belief ſich auf 12 Gulden(vgl. Dr. Bergér, Geſchichte der höheren Mädchenſchule zu Gießen... in Beitr. zur Heſſiſchen Schul⸗ und Aniverſitäts⸗Geſchichte. Boͤ. 5 1. Heft 1919).

2. Es iſt auffallend, daß von keiner Seite die ſchlechte wirtſchaftliche Lage Deutſch⸗ lands gerade in dieſen Jahren als Grund des Kiedergangs der Schule bezeichnet wird. Zweifellos trägt doch dieſer wirtſchaftliche Druck ein gutes Teil der Schuld an der mißlichen Lage der Anſtalt. Daß die Mehrzahl der Lehrer offenbar freiere politiſche Anſichten hatten, mag ihr auch manchen Gegner verſchafft haben.

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