Klaſſe 50; dritte Klaſſe 36; zweite Klaſſe 35; erſte Klaſſe 13 Schüler. Dazu kamen noch 8 Hoſpitanten. Von den Schülern waren 128 evan⸗ geliſch, 2 katholiſch, 12 iſraelitiſch. Zahlenmäßig hatte die neue Anſtalt ſchon das Gumnaſium zu Gießen überflügelt. Die drei Realſchulen in Heſſen(Darmſtadt, Gießen, Mainz), die„Provinzialrealſchulen“, wurden nach Linde(S. 219) von Knaben aus allen Ständen, vor allem aber von den Söhnen von Kaufleuten, Fabrikanten und Handͤ⸗ werksmeiſtern beſucht.
Dem guten Anfang folgten nun drei Jahre mit ſteigender Schülerzahl, dann aber ſetzte ein ſtetig wachſender Rückgang ein, der den Beſtand der Schule ernſtlich gefährdete. Die Schulgeldeinnahmen ſanken in beängſtigender Weiſe. Aber die Schuld an dieſer Entwicklung kam es zu unerquicklichen Erörterungen in der Stadt und im Stadtrat, in deren Verlauf Direktor und Lehrer beſchuldigt wurden, ſich als ihrer Aufgabe nicht gewachſen erwieſen zu haben.
Eine eingehende Reviſion der Schule mit darauffolgenden organiſchen Anderungen und Verbeſſerungen im Lehrplan, die vor allem darauf hinausliefen, den Stoff der oberſten Klaſſe noch mehr den praktiſchen Bedürfniſſen des bürgerlichen Lebens anzupaſſen, um die Schüler auch nach der Konfirmation der Anſtalt zu erhalten, führten zu keinem dauernden Erfolg. Im Jahre 1851 war die Schülerzahl auf 70 geſunken. Der weitere Beſtand der unter ſo vielverſprechenden Aus⸗ ſichten begründeten Anſtalt war in Frage geſtellt. Im Stadtvorſtand beſtand, wie ſchon angedeutet, die Anſicht, die Gründe dieſes Rück⸗ ganges ſeien in inneren Verhältniſſen der Schule ſelbſt zu ſuchen. Daher wandte ſich der Stadtrat Appel, der Vorſitzender der Städti⸗ ſchen Finanzkommiſſion war, unter Amgehung des Direktors an den Reallehrer Dr. Stein und bat um eine unumwundene Darlegung der Sachlage. Dieſer übergab denn auch eine ausführliche Denkſchrift. Er gab als Gründe des Rückganges an: das Schulhaus in der weidengaſſe ſei völlig unzulänglich, ſodann erfahre die Schule an⸗ dauernd mancherlei Anfeindungen, die ſich vor allem in unverdienter vVerurteilung des Direktors und der Lehrer kundgebe. Weiter ſchade die ungünſtige Lage Gießens in der unmittelbaren Nähe zweier Landesgrenzen, der ſcharfe Wettbewerb zahlreicher Privatlehrer, Inſtitute und des Gumnaſiums, das den Zutritt zur Alniverſität eröffne, während die Realſchule ihren Schülern keinerlei Berech⸗
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