Aufsatz 
Festschrift der Oberrealschule zu Gießen 1837-1937 / Hrsg. von Hugo Leonhardt und seinen Mitarbeitern
Entstehung
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für jede der dreiProvinzialrealſchulen jährlich dreitauſend fl. aus ſtaatlichen Mitteln zur Verfügung, unter der Bedingung, daß auch die oͤrei Städte ſich zur Jahlung der gleichen Summe verſtehen ſollten.

In einer Sitzung erklärte ſich der Gemeinderat der Stadt Gießen im Januar 1834 dazu bereit, unter ausdrücklicher Bejahung des Be⸗ dürfniſſes nach einer Realſchule. Aber die ſachlichen Leiſtungen- die Bereitſtellung der notwendigen acht Räume und der Heizungskoſten, einerchemiſchen Küche, einer Modellierſtube, einer Dohnung für den Direktor und den Pedell-, nicht zuletzt auch über das Ziel und die eigentliche Aufgabe der neuen Realſchule wurde Bürgermeiſter Silbereiſen mit einer von dem Gemeinderatsmitglied Dr. Vogt verfaßten und vom Gemeinderat am 9. Auguſt 1834 genehmigten Denkſchrift bei der Behörde zunächſt nochmals vorſtellig.

Die Stadt hielt einepraktiſche Gewerbeſchule, zwiſchen Stadtſchule und Pädagogium ſtehend, zur beſſeren Vorbildung für die Hanoͤwer⸗ ker für nützlich und zweckdienlich, eigentlichegelehrte Kenntniſſe dagegen eher für ſchädlich als für gewinnbringend. Da man in dem Regierungsvorſchlag zugleich eine unerwünſchte Konkurrenz für Ani⸗ verſität und Gumnaſium erblickte, regte die Stadt neuzeitliche An⸗ derungen im Lehrplan des Gumnaſiums an, vor allem Verſtärkung der Realien und der neueren Sprachen.

In der erſt ein halbes Jahr ſpäter, im Januar 1835, erfolgten Ant⸗ wort desGroßherzoglichen Oberſchulrats, der damaligen oberſten Schulbehörde des Landes, wurde Weſen und Zweck der neuen Real⸗ ſchule nochmals gekennzeichnet: ſie ſolle die Jugend vom 11. bis 10. Jahrezur künftigen einſichtsvollen Betreibung von Gewerben und Künſten vorbilden, namentlich von ſolchen, zu denen entweder mathematiſch⸗phuſikaliſch⸗mechaniſche oder technologiſch⸗chemiſche Kenntniſſe nebſt Fertigkeit im Zeichnen und Modellieren gehören und diejenigen jungen Leute mit der nötigen allgemeinen Schulbildung verſehen, die ſich künftig dem techniſchen Staatsdienſt widmen wol⸗ len; eine eigentliche Gewerbeſchule lehnte die Regierung ab.

Koch volle zwei Jahre zogen ſich die Verhandlungen zwiſchen Re⸗

gierung und Stadt hin, nicht ſelten über recht untergeoroͤnete Dinge, bis endlich dank der Bemühungen des Landtagsabgeoroͤneten Ge⸗

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